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Ein Blog zum Schmunzeln und Nachdenken

Ab sofort m├Âchte ich den Besuch auf meiner Website f├╝r den interessierten Leser noch lohnender machen - Hiermit er├Âffne ich meinen eigenen Blog "zum Schmunzeln & Nachdenken", denn manchmal erlebe ich auf meinem Hof Geschichten, die einfach zu gut sind, um unerz├Ąhlt zu bleiben ...

 

Eine Katze von wahrem Adel

Als ich noch ein Kind war, habe ich die Katzen von Bekannten meiner Eltern immer heimlich bewundert.

Es waren ausnahmslos wundersch├Âne Rassekassen, Tiere von wahrem Adel.

Ihr Fell f├╝hlte sich dank regelm├Ą├čigem B├╝rsten an wie Samt & Seide und es schimmerte im Sonnenlicht in den prachtvollsten Farben. Diese Katzen stolzierten durch das Haus und durch den Garten wie kleine K├Ânige durch ihr K├Ânigreich. Ihre funkelnden Augen hatten diesen ganz speziellen stolzen Ausdruck, sie wu├čten von der eigenen himmelhohen ├ťberlegenheit ├╝ber alle anderen Kreaturen.

Nur die weichsten Liegepl├Ątze mit der besten Aussicht waren gerade gut genug. Gef├╝ttert wurden diese edlen Kreaturen mit Thunfisch und Gefl├╝gelfleisch, frisch gekocht und sorgsam angereichert mit Vitaminpr├Ąparaten, versteht sich, nicht etwa Billigfutter aus der Dose oder gar Katzenkekse. Ihre Besitzer haben ihre verw├Âhnten Zungen Sahne aufschlecken lassen.

Es war sicherlich ein St├╝ck weit angemessen, dass solcher Aufwand um diese Katzen getrieben wurde, immerhin waren sie von wahrem Adel.

Ihre edle Herkunft lie├č sich ├╝ber Generationen zur├╝ckverfolgen dank der ellenlangen Stammb├Ąume. Da war verst├Ąndlich, dass die Besitzer sich benahmen, als seien sie die Sklaven der Launen ihrer Haustiere? Ich bin noch heute ├╝berzeugt davon, dass jede einzelne dieser Katzen mehr gekostet haben wird als mancher Kleinwagen!

Vor kurzem habe ich nun von einer Freundin eine wildgeborene Streunerkatze ├╝bergeben bekommen, welche diese just zuvor am selben Tag per Lebendfalle eingefangen hatte, nachdem die abgemagerte Halbj├Ąhrige offensichtlich hungrig in den M├╝lltonnen eines Parkplatzes nach Fressbarem suchte.

Sei es drum, ich mochte nicht nein sagen, immerhin hatte das kratzb├╝rstige Ding sonst kein Zuhause und auf einem Pferdehof wird sich ja wohl noch ein Pl├Ątzchen f├╝r eine anspruchslose Streunerkatze finden.

├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass es sich nicht um eine Rassekatze mit Stammbaum handelte.

Sie sah auch eher erb├Ąrmlich als stolz aus, wie sie panisch fauchend in der hintersten Ecke der Transportbox kauerte und dabei so mager und struppig war, wie eine halbw├╝chsige wildgeborene Streunerkatze nur irgend sein kann.

Nat├╝rlich war sie total verwurmt und deutlich unterern├Ąhrt, auch von generell eher mickrigem Wuchs verglichen mit anderen halbj├Ąhrigen Katzen - immerhin ist der Winkel hinter den Parkplatzm├╝lltonen nicht der beste Ort f├╝r eine Katze, um zu einer Sch├Ânheit heranzuwachsen?

Scheu war sie obendrein, in meiner Wohnung kaum aus der Transportbox entlassen, raste die Kleine in Todesangst davon und versteckte sich im hintersten Winkel unter einem Schrank.

Ich habe ihr dann auch gleich etwas Wasser in einer Schale und daneben ein Sch├╝sselchen Katzenkekse hingestellt, was die Streunerin sicherlich besser ern├Ąhrte als alles, was sie zuvor in den M├╝lltonnen gefunden hatte, und mir somit angemessen erschien.

Als ich sie entwurmen wollte, was wirklich dringend notwendig erschien, habe ich hin und her ├╝berlegt, wie ich um alles in der Welt dem kleinen Wildfang die ben├Âtigten Tabletten eintrichtern k├Ânnte? Jeden Tag auf`s Neue durch die Wohnung jagen, durch ├ťberwerfen eines Handtuches einfangen, mit roher Gewalt das kleine Schn├Ąuzchen aufhebeln und dem panischen K├Ątzchen eine Tablette in den Rachen stopfen, das wollte ich dem Tier nicht zumuten.

Nat├╝rlich sah ich haupts├Ąchlich davon ab, weil diese wildgeborenen Streuner bekanntermassen kratzen und bei├čen wie die Berserker und ich wollte nicht verletzt werden. Wom├Âglich h├Ątte mir die Katze zus├Ątzlich zum blutigen Kratzer noch eine fiese Eiterung eingebracht, eventuell eine Blutvergiftung, wer wei├č, welche Bazillen ein Tier ├╝bertr├Ągt, was hinter einer M├╝lltonne gelebt hat?

Katzen m├Âgen Sahne, soviel wu├čte ich immerhin, und so habe ich der verwurmten Streunerin ihre t├Ąglichen Antiparasitika in einer ordentlichen Portion Spr├╝hsahne verabreicht.

Damit habe ich die Katze super ausgetrickst und alle Wurmtabletten wurden brav gefressen. Der einzige Nachteil dieser Vorgehensweise war, dass das kleine K├Ątzchen seitdem jeden Tag zur gewohnten Zeit so lange herzerweichend mauzt, bis ich es eine kleine Menge Sahne schlecken lasse?

Ansonsten habe ich nat├╝rlich streng darauf geachtet, die kleine Katze nicht zu sehr zu verw├Âhnen. So eine Katze wird schnell zu einem m├Ąkeligen Fresser, wenn man ihr zu viel durchgehen l├Ąsst, das ist eine wohlbekannte Tatsache!

Dumm nur, dass die Kleine wirklich sehr scheu war.

Die Vorstellung, die n├Ąchsten Jahre im schlimmsten Fall mit eine Katze zusammenwohnen zu m├╝ssen, die panisch vor mir flieht, anstatt sich streicheln zu lassen, behagte mir so gar nicht. Ich erwarte immerhin eine gewisse Gegenleistung f├╝r die t├Ąglich servierten Katzenkekse, ein bisschen Dankbarkeit finde ich da schon angemessen, immerhin hat die Kleine nur dank mir ein Zuhause?

Ich bin dann auf die Idee gekommen, dem K├Ątzchen Thunfisch anzubieten, den ich streng rationiert nur im Gegenzug f├╝r zunehmend zutraulicheres Verhalten serviert habe. Als Alternativen bot ich dann noch zartes Brustfleisch von Ente & Huhn an, dazu etwas R├╝hrei.

Meine L├Âwenb├Ąndigungstechnik war auch tats├Ąchlich von Erfolg gekr├Ânt, denn schon bald fra├č die Kleine zuerst immer n├Ąher neben mir, bald lie├č sie sich sogar streicheln und kletterte auf meinen Schoss, um an die begehrten Leckereien zu kommen.

Leider hat sie mir dann schon bald klar gemacht, dass sie die in den ersten Tagen noch mit Hei├čhunger verschlungenen Katzenkekse eher weniger zumutbar f├Ąnde. Immerhin hatte sie auch als ehemalige Streunerin schnell herausgefunden, dass Thunfisch und Entenbrust besser mundet als schn├Âse Katzenkekse?

Da sie sowieso immernoch eine sehr schlanke Katze war, mochte ich auch nicht mit aller H├Ąrte darauf bestehen, dass sie ein Futter fressen mu├čte, was sie so offensichtlich zutiefst verabscheute. Es erschien mir doch zu grausam, immerhin war die Kleine so arg unterern├Ąhrt gewesen und eigentlich war sie immernoch recht schmal, wenn ich sie nun streichelte, konnte ich alle Knochen f├╝hlen.

Sicherheitshalber habe ich eine Multivitamin-Multimineral-Paste gekauft und mit Freude zugesehen, wie mein K├Ątzchen jeden Tag eine ordentliche Portion davon wegschleckte. Das arme Sch├Ątzchen hatte doch so viel aufzuholen!

Als ich gelesen habe, dass manche Katzen im Alter gelegentlich zu Nierenproblemen neigen k├Ânnen, wollte ich sicherstellen, dass mein Liebling auf jeden Fall genug trinkt. Ich habe seitdem penibel darauf geachtet, jeden Tag frische Katzenmilch anzubieten, denn davon trinkt die Kleine wegen des besseren Geschmackes deutlich mehr als bei Leitungswasser.

Genaugenommen mag das Leckerm├Ąulchen so gut wie gar kein Leitungswasser mehr trinken, seit sie Katzenmilch zu sch├Ątzen gelernt hat.

Jetzt ist ein bisschen Zeit vergangen, inzwischen kann ich mit Stolz sagen, dass mein kleiner Schatz sich wirklich gemausert hat:

Sie hat ein pr├Ąchtige Figur und ist eine elegante Erscheinung geworden.

Ihr Fell f├╝hlt sich an wie Samt und Seide, wenn ich sie streichele nach dem B├╝rsten.

Im Sonnenlicht schimmern ihre cremefarbenen und r├Âtlichen Flecken im sonst schwarzen Fell wundersch├Ân. Ich denke bei diesem Anblick immer, wie aussergew├Âhnlich h├╝bsch meine kleine Sch├Ânheit doch gezeichnet ist.

Wie k├Ânnte ich sie nicht verw├Âhnen - gerade habe ich ihr einen noch weicheren Liegeplatz arangiert, von dem sie einen besseren Ausblick haben soll. Zum Gl├╝ck zeigt mein Liebling mir immer ganz genau, was er m├Âchte und was nicht, damit ich wei├č, welche W├╝nsche ich wann erf├╝llen darf.

Ihre K├Ârperhaltung ist anmutig und stolz, wenn sie ihr Revier in meiner Wohnung abschreitet wie eine kleine bepelzte K├Ânigin ihr K├Ânigreich.

Ihre Augen haben dieses ganz spezielle Funkeln der ├ťberlegenheit ├╝ber jede andere Kreatur und diesen Blick des selbstbewu├čt-├╝berheblichen Stolzes, der mir irgendwie altbekannt vorkommt, als h├Ątte ich es vor Jahrzehnten als Kind schon einmal gesehen... gerade jetzt, wo ich dar├╝ber nachdenke, da wird mir klar:

Meine wunderpr├Ąchtige Katze hat ganz eindeutig wahren Adel - obwohl oder gerade weil sie eine wildgeborene Streunerin von der Parkplatz-M├╝lltonne ist.

Wahrer Adel ist keine Frage des Stammbaumes. Wahrer Adel ist auch keine Frage des Kaufpreises. 

Wahrer Adel ist eine Frage der inneren Einstellung!

 

Der gut gerittene Mitteltrab

Es ist noch nicht allzu lang her, da sah ich auf dem Weg zu einem Kundentermin in einem gr├Â├čeren Turnierstall beim zuf├Ąlligen Blick ├╝ber die h├Âlzerne Bande in eine der Reithallen eine Dressurreiterin mit ihrer jungen Warmblutstute den Mitteltrab auf der Diagonalen quer durch die Bahn ├╝ben.

Jetzt ist es so, dass die moderne Sportpferdezucht in Deutschland ohne Zweifel ein ganz hervorragend f├╝r den Leistungssport geeignetes Pferdematerial produziert hat. Mit jeder neuen Generation wurden immer beeindruckendere Gangarten erzielt, selbst im Freizeitsektor ist die Erwartungshaltung enorm gewachsen an das, was ein Pferd an Talenten mindestens mitbringen mu├č.

Auch diese sportliche Schwarzbraune in der Reithalle hatte ohne Zweifel die k├Ârperlichen Vorraussetzungen, einen ausgezeichneten Mitteltrab zu zeigen.

Dummerweise zeigen Pferde auch bei bester Veranlagung einen ausgezeichneten Mitteltrab nur dann im Dressurviereck, wenn sie vorher entsprechend ausgebildet werden.

So eine Ausbildung kann dauern:

Ein Pferd soll im Takt vorw├Ąrts laufen mit gleichm├Ą├čigen Bewegungen. Ein Pferd soll Losgelassenheit zeigen, sich ohne Spannungen oder Verkrampfungen bewegen. Ein Pferd soll in feiner Anlehnung sein, einer weichen Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand, die es nicht daran hindert, sich selbst zu tragen. Die Bewegungen des Pferdes sollen schwungvoll sein, anmutig und m├╝helos. Au├čerdem soll es geradegerichtet sein, im Gegensatz zur nat├╝rlichen Schiefe sich geradeaus auf einem Hufschlag bewegen, damit das Pferd durchl├Ąssig ist f├╝r die Hilfen des Reiters, was wiederum notwendig ist f├╝r eine dezente Einwirkung und fast unsichtbare Hilfengebung, was am Ende das Gesamtbild harmonischer macht.

Leider war hier das Gesamtbild deutlich weniger harmonisch, als ich es mir w├╝nschen w├╝rde, denn die Hilfengebung war keineswegs fast unsichtbar, sondern eher grobmotorisch? Genau genommen zog und zerrte die Reiterin best├Ąndig mit so viel Kraft an bei den Z├╝geln, dass dem Pferd das Kinn auf die Brust gezogen wurde. Ausserdem verwarf es sich im Genick, weil es der erzwungenen zu starken Innenstellung durch Schiefhalten des Kopfes ausweichen wollte.

Dadurch machte das Pferd in der Konsequenz immer wieder Taktfehler beim Laufen und wirkte v├Âllig verkrampft. Seinen Bewegungen fehlten Anmut und Schwung, wodurch auch die Reiterin sichtlich Schwierigkeiten hatte, den Trab locker mitschwingend auszusitzen und ziemlich unsch├Ân im Sattel herumplumpste.

Den geforderten tiefen Sitz hatte sie offensichtlich dann in Folge durch das Verl├Ąngern ihrer Steigb├╝gelriemen zu erzwingen versucht, womit sie allerdings nur erreichte, dass ihr maximal gestrecktes Knie nun endg├╝ltig keine Chance mehr hatte auf das geforderte leichte Mitfedern in der Bewegung des Pferdes, da sie andernfalls mit dem Fu├č aus dem Steigb├╝gel gerutscht w├Ąre, immerhin erreichte ihre Stiefelspitze diesen nur noch knapp.

Kurz, die Stute hatte - vorsichtig formuliert - eher ung├╝nstige Vorraussetzungen, um den ausgezeichneten Mitteltrab zu zeigen, der hier gerade energisch von ihr gefordert wurde?

Denn beim Mitteltrab soll eigentlich die vorher durch vorsichtige Versammlung des Pferdes aufgenommene Energie herausgelassen werden, indem das Pferd den Rahmen und den Raumgriff der Tritte gegen├╝ber dem Arbeitstrab erweitert.

Mangels vorher aufgenommener Energie bei gleichzeitiger Weigerung, durch auch nur minimales Vorgeben der kr├Ąftigen Z├╝gelzug aus├╝benden Hammerf├Ąuste wom├Âglich aus Versehen eine Rahmenerweiterung zuzulassen, bem├╝hte sich nun die Reiterin regelm├Ą├čig, ihrem Pferd das Zeigen eines seinen genetischen M├Âglichkeiten entsprechenden Mitteltrabes nahezulegen, indem sie ihm just in dem Augenblick, in dem es mit ├╝berh├Âhtem Tempo in leichter Schr├Ąglage aus der Reitbahnecke herausgedroschen kam, unter energischem Sporeneinsatz die Gerte auf den Hintern pitschte.

Immerhin wurde das Pferd dadurch auf der Diagonalen noch einmal deutlich schneller, allerdings mit einem erschrockenen "Huch" im Pferdegesicht und aus Angst vor einem weiteren Klaps eingezogenen Hintern.

Kurz, einen elegant dahergeschwebten Mitteltrab stelle ich mir irgendwie anders vor?

Jetzt habe ich die dumme Angewohnheit - im Umgang mit Pferdeleuten und auch sonst im Leben - grunds├Ątzlich dazu zu neigen, geradeheraus zu sagen, wenn mir etwas mi├čf├Ąllt, besonders wenn es darum geht, dass jemand einem Tier Schaden zuf├╝gen k├Ânnte. Nebenbei bemerkt ist dies wahrscheinlich der Grund, warum ich so wenige Kunden finde, die bereit sind, mir f├╝r regelm├Ą├čige Dauern├Ârgelei getarnt als Reitunterricht auch noch freiwillig Geld zu bezahlen?

Es kam, wie es kommen mu├čte, ich begegnete besagter Reiterin sp├Ąter noch ein zweites Mal, als sie gerade ihr Training beendet hatte und ihr ersch├Âpftes Pferd Richtung Box hinter sich herzog. Wir kamen ins Gespr├Ąch - zu meiner Ehrenrettung mu├č ich sagen, dass sie mich zuerst gegr├╝├čt hat und ich es als deutlich unh├Âflich empfunden h├Ątte, diesen freundlichen Gru├č unerwiedert zu lassen. Ich gebe zu, ich konnte einfach nicht anders, als in Kombination mit "Hallo" dann auch direkt die Rolle der Gerte bei ihren Bem├╝hungen um den Mitteltrab anzusprechen.

W├Ąhrend um mich herum alle anderen Anwesenden erschrocken die Luft anzuhalten schienen, bekam ich eine pampige Antwort, die darauf hinauslief, dass ihr Gerteneinsatz erstens gerechtfertigt sei, immerhin habe dieses unmotivierte Nachwuchspferd viel Geld gekostet und sie erwarte zu Recht, dass es sich auch entsprechend M├╝he g├Ąbe, seine der Abstammung entsprechenden G├Ąnge zu zeigen, um damit Schleifen von Turnieren nach Hause zu bringen.

Zweitens ritte sie regelm├Ą├čig Reitunterricht bei einer wahren Koryph├Ąe, und von dort sei der Tipp mit dem Gertenklaps gekommen gemeinsam mit dem Hinweis, dass auf dem in K├╝rze geplanten Turnier die r├Ąumlichen Gegebenheiten dergestalt seien, dass die Richter die Ecke des Reitplatzes nicht einsehen k├Ânnten, in der sie die Gertenbasierte Optimierung des Mitteltrabes durchzuf├╝hren plane.

Nat├╝rlich gebe ich zu, dass es Dressurrichter geben mag, die auf dem einen Auge blind f├╝r Tierschutzfragen sind und mit dem anderen Auge nur auf die m├Âglichst ambitioniert so etwas ├Ąhnliches wie einen Mitteltrab strampelnden Vorderf├╝├če des Teilnehmerpferdes schielen.

Sei es drum, wir waren unterschiedlicher Ansicht von Anfang bis Ende des Gespr├Ąches und nachdem wir unserer ( getrennten ) Wege gegangen waren, gab es f├╝r mich keinen Grund, mich ├╝ber unsere Meinungsverschiedenheit zu gr├Ąmen.

Wobei ich zugeben mu├č, dass ich im Nachhinein durchaus der Situation noch ├╝berraschend viel Positives abgewinnen konnte, insbesondere nachdem die Reiterin ihre schwarzbraune Stute wie angek├╝ndigt auf dem Turnier w├Ąhrend der Dressurpr├╝fung in der f├╝r die Richter nicht einsehbaren Ecke des Reitplatzes mit einem Gertenschlag zum Mitteltrab motiviert hat.

Offensichtlich hat sie dabei noch ein kleines bisschen fester zugeschlegen als gewohnt, vielleicht nur, um auf Nummer sicher zu gehen, dass der Mitteltrab auch bestimmt sehr gut gelingen m├Âge, vielleicht auch, weil sie angesichts der Turniersituation mit zahlreichen Zuschauern, kritischen Richteraugen und den in Aussicht gestellten Schleifchen ein bisschen nerv├Âser war als ├╝blich.

Die schwarzbraune Stute hat dann auch angesichts des Klapses beschleunigt, allerdings hat sie etwas mehr beschleunigt als ├╝blich. Immerhin war der Gertenschlag fester gewesen als gewohnt, vielleicht war die Stute auch etwas nerv├Âs angesichts der vielen Zuschauer und der durch das Ringen um Scheifchen angeheizten Atmosph├Ąre?

Jedenfalls hat die Stute nicht nur wie im Training ihre Trabtritte beschleunigt, sondern ist in durchaus forciertem Tempo - sprich, explosionsartig - angaloppiert. Da die Reiterin dabei wegen der sehr lang eingestellten Steigb├╝gelriemen schon mit dem einen Fu├č einen der Steigb├╝gel verloren hatte und ein bisschen schief gerutscht war im Bem├╝hen, wenigstens den anderen Fu├č im Steigb├╝gel zu halten, ist es ihr nicht wirklich gelungen, vor der Ecke das davonbrausende Pferd abzubremsen.

Um es kurz zu machen, die Reiterin hat ihren zweiten B├╝gel sp├Ątestens dann auch noch verloren, als die schwarzbraune Stute zum Sprung ├╝ber den Reitplatzzaun ansetzte. W├Ąhrend die Stute elegant zwischen den Zuschauern landete, gelang es zwar selbigen erfolgreich, dem wildgewordenen Pferd durch panische Flucht zu beiden Seiten auszuweichen.

Leider gelang es der Reiterin nicht, den Bewegungen des Pferdes geschmeidig zu folgen. Daher purzelte sie recht unelegant aus dem Sattel und landete im Dreck, wo sie zum Gl├╝ck unverletzt von den herbeieilenden Sanit├Ątern geborgen werden konnte.

Das zeigt mir folgendes:

Erstens ist es nat├╝rlich m├Âglich, f├╝r viel Geld ein talentiertes Nachwuchs-Sportpferd zu kaufen.

Leider bedeutet der Erwerb eines solchen Prachtexemplares jedoch noch nicht, dass man dadurch auch gleichzeitig automatisch Reiten lernt.

Zweitens liegt es zwar im Ermessen des Reiters, wann er beim Training seines Pferdes eine Abk├╝rzung w├Ąhlt, anstatt sein Tier entsprechend der Skala der Ausbildung m├╝hsam und zeitintensiv zu f├Ârdern.

Allerdings mu├č der Reiter in Folge damit rechnen, dass auch das Pferd dann einmal eine Abk├╝rzung nehmen k├Ânnte, und dass Selbige durchaus auch zum Verlassen des Turnierplatzes vor der am Ende der Pr├╝fung erwarteten Siegerehrung f├╝hren kann.┬á

Drittens mag es vielleicht im ersten Augenblick als unh├Âflich empfunden werden, wenn ich wildfremden Menschen meine Meinung ungefragt ins Gesicht sage.

Aber das schadet gar nichts, weil besagte Reiterin gestern Abend bei mir angerufen hat, um mich um Reitunterricht zu bitten.

 

Lebensfreude

Vor einiger Zeit wurde an einem hei├čen Sommertag ein kleiner blauer Wellensittich bei mir abgegeben, nicht allein, sondern gemeinsam mit mehreren Artgenossen.

Mir fiel bei n├Ąherer Inaugenscheinnahme auf, dass der Kleine im Gegensatz zu seinen gefiederten Freunden ein Gesundheitsproblem hatte.

Er hatte ein bisschen Wasser im unteren Bauchbereich eingelagert. Seine kleinen F├╝├če f├╝hlten sich auf meiner Hand unterschiedlich warm an.

Der bisherige Besitzer erkl├Ąrte, er sei wegen des vermuteten Gesundheitsproblemes bereits bei einem Tierarzt gewesen, dieser habe ein Herzproblem diagnostiziert, mit dem der Vogel zwar soweit schmerzfrei leben k├Ânnte, allerdings sei m├Âglich, dass er ein bisschen kreislauflabiler als gesunde Artgenossen auf das hochsommerlich hei├če Wetter reagieren und im allerschlimmsten Fall sogar durch Herzstillstand versterben k├Ânnte.┬á

Die einzige Behandlungsoption, die er angeboten habe, sei eine Euthanasie gewesen - allerdings habe er selbst nicht wirklich dazu raten wollen, da der kleine Wellensittich ja durchaus noch reichlich Lebensfreude zeige?

Ich beobachtete einen Moment den kleinen Patienten, der munter mit einem Weibchen flirtete und quietschfidel durch die Gegend d├╝ste. Es war ganz offensichtlich, dass dem blauen Zwerg seine Gesundheitsprobleme nicht klar waren und dass er schlicht und ergreifend sein Leben in vollen Z├╝gen genoss.

Wellensittiche sind im allgemeinen viel weniger hypochondrisch veranlagt als Menschen und neigen nicht dazu, ├╝ber unterschiedlich temperierte Vogelf├╝├če ins depressive Gr├╝beln zu verfallen.

Wellensittiche leben im hier und jetzt - der kleine Blaue machte sich folglich keine Gedanken dar├╝ber, ob ihn bei den f├╝r die folgenden Tage angesagtem noch w├Ąrmeren Temperaturen ein j├Ąher Tod durch Herzstillstand ereilen k├Ânnte.

Er strahlte im Gegensatz eine unglaubliche Lebensfreude aus, wie er flirtete und kletterte und flatterte und tschilpte - und ich konnte nur zu gut verstehen, dass der bisherige Besitzer vor dem Gedanken zur├╝ckgeschreckt war, diesem putzmunteren kleinen Gesellen eine t├Âdliche Spritze verabreichen zu lassen, nur um damit einem sp├Ąter m├Âglichen spontanen Herztod zuvorzukommen.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass der Kleine bei mir ins Vogelzimmer einziehen darf und zumindest solange nicht eingeschl├Ąfert wird, wie er sich so sichtlich wohl zu f├╝hlen scheint.

Was soll ich sagen: die w├Ąrmeren Temperaturen des Hochsommers hat er gut ├╝berstanden und lebt immer noch quietschfidel sein Vogelleben.

Genau genommen ist das Jahr inzwischen so weit fortgeschritten, dass die ersten Nachtfr├Âste des herannahenden Winters bereits hinter uns liegen. Auf das k├╝hler werdende Wetter hat der Kleine mit einer leichten Besserung seines Zustandes reagiert: der Umfang der Wassereinlagerungen ist zur├╝ckgegangen und seine winzig kleinen F├╝├če sind bei gem├Ą├čigtem Wetter fast gleichwarm, die Kreislaufsituation hat sich offensichtlich zumindest etwas entspannt.

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass der Blaue vielleicht sogar bis zum n├Ąchsten Sommer stabil bleiben k├Ânnte.

Wenn es dann wieder extreme Hitzewellen mit ├╝ber 40 Grad geben sollte, wenn es in deren Folge wieder zu einer Verschlechterung des Zustandes kommen w├╝rde, dann werden wir weitersehen.

Nat├╝rlich w├╝rden wollen wir den kleinen Kerl nicht qu├Ąlen, und w├╝rden ihn zum Tierarzt fahren, wenn denn ...

Aber vielleicht schafft das kleine K├Ąmpferherz unseres blauen Helden auch noch einen Sommer, wer wei├č?

Es z├Ąhlt f├╝r diesen Wellensittich nur das hier und jetzt.

Am heutigen Tage ist der kleine blaue Wellensittich ein sehr vergn├╝gter kleiner Wellensittich, der putzmunter durch das Vogelzimmer d├╝st und sich seines Lebens freut.

Ich werde einen Teufel tun, diesen kleinen blauen Wellensittich schon heute einfach nur wegen einer Diagnose mit ung├╝nstiger Langfrist-Prognose einschl├Ąfern zu lassen, solange er heute noch so derart putzmunter durch das Zimmer fliegt und nichts weiter im Sinn zu haben scheint, als sich mit seinen Wellifreunden zu am├╝sieren.

Denn um wie vieles ├Ąrmer w├Ąre unsere Welt, wenn ich ihr die gro├če Freude nehmen w├╝rde, die dieser kleine blaue Wellensittich dar├╝ber empfindet, auch den heutigen Tag mit all`seinen Abenteuern noch erleben zu k├Ânnen?

 

Der perfekte Hund

Ich habe vor kurzem dank der Vermittlung eines Tierschutzvereines einen neuen Hund adoptiert, einen anderthalbj├Ąhrigen R├╝den.

Nat├╝rlich habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Im Allgemeinen ist diese Entscheidung f├╝r ein neues Familienmitglied schon keine einfache, aber in unserem Fall besonders schwierig.

Immerhin sollte der Neue in die sehr gro├čen Fu├čstapfen meines kurz zuvor verstorbenen alten R├╝den treten, meines Lieblings.

Gerade das machte die Auswahl eines neuen Hundes so schwierig, denn immerhin ging es um nicht weniger als darum, einen ad├Ąquaten Ersatz zu finden f├╝r einen fabelhaften, was sage ich, den perfekten und ├╝berhaupt weltbesten aller Hunde, den ich verloren hatte.

Der perfekte und ├╝berhaupt weltbeste aller Hunde, das ist mein alter R├╝de ohne jeden Zweifel gewesen.

Er h├Ątte mich mit seinem Leben verteidigt.

Unerreichbar f├╝r jeden potentiellen Neuzugang war die spezielle Art des fabelhaften Alten, meine Gedanken zu erraten und mir jeden Wunsch f├Ârmlich von den Augen abzulesen, um Befehle auszuf├╝hren, bevor ich sie ausgesprochen hatte, nur um mich zu erfreuen, denn das war in unseren gemeinsamen Jahren das Ziel aller seiner Handlungen, wie es mir im Nachhinein scheint ...

Damals, als ich diesen perfekten Hund adoptierte, nun, ich gebe es nicht gern zu, aber er hat sich erschreckt und mich in den Arm gebissen, an unserem allerersten gemeinsamen Tag, als ich ihn gerade Anleinen und aus dem Tierheim abholen wollte.

Kaum im neuen Zuhause angekommen, hat er meine armen Katzen erschreckt. Au├čerdem hat er in die Wohnung gepinkelt, das nicht nur einmal. Auch erw├Ąhnen mu├č ich den jahrelang gepflegten Rasen in meinem Garten, der war nach seinem Einzug leider nie wieder so wie vorher, denn durch unerm├╝dliches Ablaufen der immer gleichen Routen ├╝ber den Rasen entstanden auf selbigem zahllose schlammige Trampelpfade, auf denen nie wieder ein einziger Halm gedeihen wird.

Trotzdem besteht f├╝r mich ├╝berhaupt kein Zweifel daran, dass dieser alte R├╝de der perfekte weltbeste Hund war. Jeder, der ihn erlebt hat, k├Ânnte das best├Ątigen. Er war einfach fabelhaft!

Wobei ich auch viele Komplimente bekomme f├╝r meine ├Ąltere H├╝ndin.

Meine ├Ąltere H├╝ndin gehorcht auf`s Wort und beherrscht wirklich viele verschiedene Tricks und Kunstst├╝ckchen, die ich ihr alle beigebracht habe. Damit bringt sie die meisten Menschen im Bekanntenkreis spontan dazu, sie f├╝r den perfekten Hund zu halten.

Nur sie hat diesen wilden Eifer des fabelhaften Wachhundes, im Garten stets als Erste im Rudel jeden Passanten w├╝tend und langanhaltend anzubellen, um trotzdem sofort zu verstummen, wenn ich sie darum bitte.

Wenn ich ehrlich bin, ist sie auch wirklich ein perfekter Hund, auf ihre Art die weltbeste H├╝ndin, die ich mir w├╝nschen k├Ânnte, ein fabelhafter Begleiter in allen Lebenslagen.

Anfangs als immer hungriger Stra├čenhund kaum bei mir eingezogen hat sie eventuell ein kleines bisschen dazu geneigt, Essen vom Tisch zu stehlen.

Im Zahnwechsel hat sie Stuhlbeine angekaut und an der Holztreppe geknabbert, ein Teil des Gel├Ąnders wurde Opfer ihrer Z├Ąhne, ebenso ein Teppich, denn dessen Fransen abzuzupfen war ihr gr├Â├čtes Vergn├╝gen. In einer ganz schlimmen Phase hat sie sogar den Putz von der Wand gekaut, allerdings nur, wenn sie nachts Langeweile hatte, w├Ąhrend ich schlief.

Man k├Ânnte ihr den Vorwurf machen, dass sie sich nicht von Fremden anfassen lassen mag, aber das ist immerhin nicht ihre Schuld, sondern liegt an der unzureichenden Sozialisation einer Welpenzeit im Ausland auf der Stra├če.

Im Garten hat sie trotz ausreichender Ern├Ąhrung mit hochwertigem Hundefutter bei bereits beginnendem ├ťbergewicht so lange von den B├Ąumen gefallene N├╝sse geknackt und gefressen, bis wir ihr einen durch harte Nussschalen geborstenen Backenzahn ziehen lassen mu├čten. Das war zum Gl├╝ck nicht so schlimm wie die gro├če Bauch-OP, die erforderlich wurde, um zahlreiche im Welpenalter gefressene Steine aus ihrem Magen-Darm-Trakt zu entfernen.

Ungern muss ich bekennen, dass sie sich bis heute bevorzugt in Wildschweinkot w├Ąlzt.

Trotzdem kann es keinen Zweifel geben, dass sie ein perfekter Hund ist. Sie ist die Weltbeste!

Wobei meine j├╝ngere H├╝ndin auch wahrlich fabelhaft ist.

F├╝r den von mir ausge├╝bten Zugsport ist sie hervorragend geeignet. Bei unseren Bikej├Âring Wauztouren, beim Canicross oder beim Skij├Âring, sie ist immer ein wunderbarer Leithund. Sie arbeitet unerm├╝dlich, sie folgt jedem Befehl und wei├č immer, was ich von ihr m├Âchte.

Kaum wieder daheim und bei mir in der Wohnung, observiert sie mit gl├╝hendem Eifer des stets wachsamen Sch├Ąferhundes durch die Fenster die Stra├če und k├╝ndigt mir jede Ann├Ąherung eines Fremden diskret durch leises Knurren an.

Sie ist der perfekte und weltbeste Hund, sie ist fabelhaft.

Wobei ich leider zugeben mu├č, dass sie anfangs manchmal ein ganz kleines bisschen zwangsneurotisch war und leicht melodramatisch dazu neigte, sich gellend schreiend auf den Boden zu werfen, um sich dort liegend bzw. in Krokodils-Todesrolle-windend in eine Art wildgewordene Hysterie hineinzusteigern. Zum Gl├╝ck praktizierte sie dies nur bei wenigen Anl├Ąssen, also zum Beispiel, wenn ich versuchte, sie zu b├╝rsten, oder ein Geschirr anzulegen, sie festzuhalten, ok, da hatte sie anfangs Tobsuchtsanf├Ąlle, die den unvorbereiteten Zuschauer schon mal leicht erschrecken konnten.

Kein anderer Hund hat so oft ins Auto gekotzt wie diese H├╝ndin.

Wegen ihr sind etliche Blument├Âpfe zerbrochen, weil sie bei jedem Ger├Ąusch versucht hat, oben aus dem Fenster zu gucken, und dann in ihrer wuseligen Art alles umwarf. Das alles ist nat├╝rlich nicht ihre Schuld gewesen, sie hatte es nur einfach im Tierheimzwinger noch nicht gelernt, wie man souver├Ąn mit dem Leben in der Aussenwelt umgeht, und litt unter der Reiz├╝berflutung?

Sie w├╝rde alles fressen, was sie im Katzenklo findet, zur Not inklusive der Klumpstreu.

Ausserdem hat sie vielleicht ein bisschen die Wohnungst├╝ren mit den Krallen ihrer Vorderf├╝├če verkratzt, weil ihr jugendlicher ├ťbermut leider anfangs nicht zu meiner eher langsamen Art, T├╝ren zu ├Âffnen, passen wollte.

Es ist wirklich inzwischen deutlich besser geworden, sie ist mit den Jahren auch insgesamt ruhiger geworden und so eine ganz besonders Liebe. Sie ist wirklich fabelhaft, ich bin froh sie zu haben, sie ist der perfekte weltbeste Hund.

Dann habe ich auch noch den kleinen R├╝den, bisher der J├╝ngste im Rudel, den finden wirklich alle Menschen ├╝beraus liebreizend, denn er ist ungew├Âhnlich anschmiegsam und ein ganz besonders fr├Âhlicher Hund.

Er ist ein perfekter Hund.

Ich gebe zu, dass er am Anfang mit Gr├Â├čenwahnsinn im Blick jeden anderen Hund angep├Âbelt hat - eigentlich auch alles andere, was sich irgendwie bewegte oder auch unbewegt in sein Blickfeld geriet.

Er war von Beginn an passionierter M├Ąusebuddler und hat mehrere meiner m├╝hsam gez├╝chteten Rosen dadurch genauso erbarmungslos zerst├Ârt wie die Tomaten im Hochbeet oder unsere Himbeerb├╝sche. Ich habe sogar eine kleine Narbe am Bein, weil er mich dort beim ersten Spaziergang gebissen hat wutentbrannt dar├╝ber, dass ich ihm eine soeben ausgebuddelte Maus nicht g├Ânnen wollte. Einem ehemaligen Stra├čenhund darf man solches Verhalten nat├╝rlich nicht ankreiden. Immerhin hat der arme kleine Kerl vielleicht wom├Âglich eventuell im Ausland nur gerade wegen seiner M├Ąusej├Ągerqualit├Ąten ├╝berlebt und mu├čte jede Beute erbittert gegen die Nahrungskonkurenten verteidigen?

Leider hat er auch die Tapete in mehreren Zimmern besch├Ądigt, weil er lustig fand, sie in langen Streifen von der Wand abzuknibbeln.

Er hatte panische Angst vor dem Treppensteigen, au├čerdem vor den Menschenstimmen in Radio & Fernsehen, die er keinen anwesenden Personen zuordnen konnte.

Au├čerdem hat er L├Âcher in den Maschendrahtzaun gekaut, um aus dem Garten auszubrechen und im angrenzenden Paddock Pferde├Ąppel zu fressen.

Er fri├čt auch gern vom Pampasgras im Garten und kotzt danach bevorzugt auf den edlen Parkettfu├čboden im Kaminzimmer anstatt auf die deutlich unempfindlicheren Fliesen im Wintergarten.┬á

Er hat kurz nach seinem Einzug bei uns die komplette Kunstleder- Innenverkleidung der hinteren T├╝r meines Autos abgefressen, als er das erste Mal ein Viertelst├╝ndchen im geparkten Auto auf mich warten sollte. Ich unterstelle zu seiner Ehrenrettung, dass er wohl sicherlich als traumatisierter Tierschutzhund unter Verlassens├Ąngsten litt und folglich gar nicht anders konnte, als mein Auto zu besch├Ądigen.

Inzwischen wird er langsam erwachsener und meine Erziehungsbem├╝hungen fangen an, Fr├╝chte zu tragen. Zum Beispiel gr├Ąbt er in meinem Garten wirklich nur noch dann nach M├Ąusen, wenn er glaubt, dass ich ihn dabei nicht beobachte.

Ich mu├č sagen, er hat sich am Ende tats├Ąchlich als der fabelhafte und weltbeste Hund entpuppt, den ich mir nur w├╝nschen kann.

Er l├Ąuft am Rad oder begleitet mich zu Fu├č ├╝berall hin. Er ist absolut unkompliziert und sehr verspielt und absolut vertr├Ąglich mit jedem, er ist ein Kuscheltyp und unglaublich flauschig-streichelsympathisch.

Der Kleine ist wirklich der perfekte Hund!

Unter dem Strich habe ich bisher mit meinen Hunden wirklich riesiges Gl├╝ck gehabt, das kann ich mit gro├čem Stolz sagen. Jeder von ihnen ist auf seine Art ein perfekter Hund und wirklich fabelhaft!

Gerade darum ist mir die Entscheidung f├╝r einen neuen Hund wirklich schwer gefallen. Immerhin ist doch die Chance rein statistisch sehr gering, noch einen weiteren Hund zu finden, der ann├Ąhernd so gro├čartig wie seine Wauzkollegen sein k├Ânnte?

Jetzt ist also der neue Jungr├╝de seit ein paar Tagen bei uns eingezogen. Ich hatte wie erw├Ąhnt anfangs meine Bedenken.

Was soll ich sagen:

Er hat diese Woche Fetaw├╝rfel von der K├╝chenzeile geklaut und in der Woche davor mein K├Ąsebrot vom Esstisch.

Er spielt ziemlich wild in der Wohnung, er hat dabei heute einen gro├čen massiven schweren Tisch derart angerempelt, dass eine darauf stehende Blumenvase umgeschmissen und alles geflutet wurde inklusive meiner Lernunterlagen und zweier B├╝cher.

Er hat gestern wieder mal nicht brav abgewartet, bis ich ihn mit dem Handtuch nach der Gassirunde abgerubbelt hatte, sondern ist mit seinen schlammverschmierten F├╝├čen ├╝ber den sauberen Fu├čboden direkt hochgerannt ins Schlafzimmer und hat sich gen├╝sslich in meinem frisch bezogenen Bett gew├Ąlzt, um seinen Matschbauch an meinem Kopfkissen abzutrocknen.

Er hat eine Rechnung angefressen, die ich f├╝r die Steuer ben├Âtige.

Er springt jaulend an meinem Mann hoch, verschmutzt mit seinen Dreckpfoten die guten Sakkos und zwickt ihn in die H├Ąnde, wenn dieser m├╝de aus dem B├╝ro nach Hause kommt - jeden Tag wieder, immerhin will er sicherstellen, als Erster ausgiebig begr├╝├čt zu werden.

Er hat eine komplette Rolle Toilettenpapier abgerollt und in feinste Fetzen zerrissen, um selbige in der kompletten Wohnung zu verteilen.

Er hat meinen Kater zu Tode erschreckt mit seinen aufdringlichen Versuchen, ihm am Hintern zu schnuppern.

Ich finde, er entwickelt sich gro├čartig und ich glaube, er passt wunderbar zu meinem Rudel und in unsere Familie.

Vielleicht braucht er noch ein kleines bisschen Zeit, um etwas erwachsener zu werden und alles das zu lernen, was ein fabelhafter Nachwuchshund eben im Schn├Âselalter erst noch lernen mu├č. So viel Zeit sollte man doch sicherlich jedem neuen Hund zugestehen?

Ich glaube, wenn ich ihm nur die Chance dazu gebe, wird er der weltbeste und perfekte Hund.

 

├ťber die Freiheit, eigene Entscheidungen treffen zu d├╝rfen

In diesem Fr├╝hjahr habe ich wie jedes Jahr die durch Todesf├Ąlle frei gewordenen Stallpl├Ątze an neue Gnadenbrotpferde vergeben und somit mehrere neue Pferde in meine Herde eingliedern m├╝ssen.

Je nachdem, aus welcher Art von Haltungssystem die Pferde zu mir kommen, sind die Besitzer mal mehr, mal weniger besorgt ├╝ber den Ablauf dieser Eingliederungsphase. Da ich immer davon ausgegangen bin, dass die Besitzer ihr Pferd nach langen gemeinsamen Jahren besser kennen als ich, habe ich mich bei der Eingliederung immer danach gerichtet, was die Besitzer vorschlugen.

Dieses Jahr hatte sich die Besitzerin eines bis dato Boxpferdes daf├╝r ausgesprochen, dass ihre Stute erstmal in meiner Krankenbox eingestallt werden sollte, wo allein durch drei kleine Fenster ein Kennenlernen der neuen Herdenmitglieder durch nasonasalen Kontakt m├Âglich war.

Die neue Stute kam, die neue Stute wurde f├╝r die ersten Tage in die Krankenbox einquartiert, dann unter Aufsicht eine Runde allein die Auslaufanlage erkunden, tags drauf mal ein St├╝ndchen zum Antesten zu den alteingesessenen Bewohnern gelassen, mit Argusaugen bewacht, versteht sich ...

Alles lief nach Plan bis zu dem Punkt, wo die Stute am Ende des Kennenlernst├╝ndchens wieder in die Box zur├╝ckkehren sollte. Madamchen lie├č sich zwar brav hineinbugsieren, aber hatte schon so einen Gesichtsausdruck, der mich vermuten lie├č, dass sie lieber bei den neuen Freunden drau├čen geblieben w├Ąre? Ich schloss die T├╝re hinter ihr, drehte mich zum Gehen in der sicheren Gewissheit, das sonst stets hungrige Tier werde gleich begeistert ├╝ber sein Futter herfallen ... Pustekuchen!

Ein unerwartetes Ger├Ąusch aus Richtung Box hinter mir lie├č mich zusammenzucken und zur├╝ckdrehen, und mir stellten sich f├Ârmlich die Nackenhaare auf bei dem Anblick, der sich mir bot:

Die durchaus nicht so klein gewachsene Stute hatte entschieden, dass es drau├čen bei der vor dem Fenster stehenden Herde viel lustiger als in der langweiligen Box sei und daher beschlossen, aus dem nicht so gro├čen Fenster einfach wieder hinauszuspringen. Dummerweise hatte sie zwar vorher korrekt berechnet, dass sie die untere Fensterkante h├Âhenm├Ą├čig locker schaffen w├╝rde, aber leider nicht ber├╝cksichtigt, dass der eigene Plautzenumfang und das Format des Fensters in einem vorsichtig formuliert eher ung├╝nstiegen Verh├Ąltnis zueinander standen. Im Endergebnis steckte die junge Dame fest, Vorderbeine und Kopf baumelten drau├čen, w├Ąhrend der Allerwerteste noch in der Box hing.

Bevor ich jedoch meinerseits Ideen entwickeln konnte, wie um alles in der Welt das feststeckende Pferd zu befreien sei, ruckelte die Stute sich soweit zur├╝ck in die Box, dass die Hinterhufe wieder Bodenkontakt erreichten, stie├č sich kr├Ąftig ab und purzelte mit einer Vorw├Ąrtsrolle in den weichen Sand zwischen die Pferdekollegen, die sie mit einer Selbstverst├Ąndlichkeit in ihrer Runde begr├╝├čten, als habe man eben noch verabredet, dass die junge Stute nach 2 Minuten zur├╝ck sein werde.

Bevor die Gruppe um die Geb├Ąudeecke herum davonmarschierte, warf die Stute mir einen Blick zu, in dem ich unschwer lesen konnte:"Sorry, aber drau├čen ist viel besser als eingesperrt in der Box?!" Offensichtlich hatte die Besitzerin aus Sicht ihres Pferdes eine sehr gute Wahl getroffen, als sie sich f├╝r den Umzug in meinen Aktivoffenstall entschied - wir hatten nur die ben├Âtigte Eingliederungszeit falsch eingesch├Ątzt?

├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass ich die behufte Kunstturnerin wohl kaum ein zweites Mal in diese Box sperren wollte und ihr daher ihren Willen lies - auch wenn sie keinen einzigen Kratzer davongetragen hat, legte ich doch keinen gesteigerten Wert darauf, dass die Stute erneut einen halsbrecherischen Ausbruchsversuch startete. Interessanterweise war die Einsch├Ątzung der Stute ├╝ber die erfolgreich verlaufende Integration in meine Herde durchaus zutreffender als meine weniger optimistische Einsch├Ątzung.

Ich habe f├╝r mich danach das Fazit gezogen, den Tieren in meiner Obhut mehr eigene Entscheidungen zuzutrauen beziehungsweise zu erm├Âglichen.┬á

So bin ich dazu ├╝bergegangen, meinen Pferden durch Anbieten zweier M├Âglichkeiten zum Anstupsen die Frage "entweder oder" zu stellen, welche Decke sie aufgelegt bekommen m├Âchten, oder ob sie lieber Knotenhalfter f├╝r Bodenarbeit oder Trense f├╝r Reiten anziehen m├Âchten etc ...

Meine bisherigen Erfahrungen damit sind durchweg positiv, nicht nur weil das Pferd selbst immernoch am Besten wei├č, ob ihm gerade kalt oder warm ist, sondern auch beim Training sind meine Pferde viel motivierter bei der Sache, wenn sie die Aufgabe vorher selbst ausw├Ąhlen durften. Da ich kein Turnierreiter bin, ist mir am Ende des Tages unwichtig, womit wir unsere gemeinsame Zeit verbracht haben, die Hauptsache ist immer, dass wir Spass zusammen hatten?

Vielleicht genie├čen wir alle gern die Freiheit, eigene Entscheidungen treffen zu d├╝rfen ...

 

Recht auf Teilhabe

Vor einigen Monaten habe ich einen kleinen grauen Nymphensittichhahn namens Rocky von einer sehr engagierten Dame gebracht bekommen. Sie hatte den kleinen Kerl zuvor in bedauernswertem Zustand aus einer indiskutablen Einzelhaltung gerettet, leider erst nachdem ein Raubtier ( Marder? Katze? ) ihn schwer verletzt und ihm den halben rechten Fl├╝gel und den gr├Â├čten Teil seiner Zehen abgebissen hatte.

Die F├Ąhigkeit zu Fliegen, die V├Âgel im allgemeinen doch ausmacht - v├Âllig unm├Âglich f├╝r den armen kleinen Kerl, der zu allem Elend mit seinen verkr├╝ppelten F├╝├čchen nicht einmal normal klettern konnte. Hinzu kam, dass er durch die jahrelange Einzelhaltung beim Erstbesitzer schwere Verhaltensst├Ârungen aufwies, jede noch so keine Ver├Ąnderung l├Âste hysterische Schreianf├Ąlle aus, vor mir hatte er Todesangst, selbst auf nett gemeinte Ann├Ąherungsversuche einer an ihm freundlich interessierten Henne reagierte er mit Bei├čattacken.

Eigentlich war die Gesamtsituation nach seinem Einzug in mein Vogelzimmer eine v├Âllige Katastrophe, denn Rocky sa├č in einer Zimmerecke auf dem Fussboden und schrie Zeter & Mordio. Ich habe h├Ąufiger mal Neuzug├Ąnge im Vogelzimmer, auch immer wieder flugunf├Ąhige Tiere oder Einzelhaltungs-Opfer mit Verhaltensdefiziten, und alle haben sich problemlos eingelebt und binnen k├╝rzester Zeit sichtlich wohl gef├╝hlt. Ich hatte noch nie einen Neuzugang im Vogelzimmer erlebt, der so hartn├Ąckig alles schrecklich fand, was ich versuchte, f├╝r ihn zu tun:

Ich brachte Futter und Wasser, Rocky schrie. Ich fegte & wischte den Fu├čboden, Rocky schrie. Ich h├Ąngte frische ├äste ins Zimmer, ich putzte Fenster, ich brachte Spielsachen, Rocky schrie. Rocky schrie aber auch dann wie am Spie├č, wenn ich gar nicht im Zimmer war, weil dann offensichtlich gerade irgend ein anderer Vogel irgend etwas tat, was Rocky schrecklich fand.

Doch w├Ąhrend ich irgendwann kurz davor war, Rocky einzustufen als "der wird sich niemals ├Ąndern, nichts, was ich irgend tun k├Ânnte, wird jemals reichen, um aus dem gest├Ârten Nervenb├╝ndel Rocky einen zufriedenen Vogel zu machen", blieben die anderen Nymphensittiche einfach hartn├Ąckig dabei, den kleinen Schreihals als v├Âllig normal zu behandeln.

F├╝r mich anfangs v├Âllig unerkl├Ąrlich hat sich sogar eine Nymphiehenne trotz besserer Angebote von wesentlich charmanteren Partnern daf├╝r entschieden, Rockys Frau sein zu wollen und der Nervens├Ąge die Treue zu halten, obwohl das f├╝r sie nichts brachte als tagt├Ąglich Pr├╝gel zu beziehen, denn nat├╝rlich konnte auch sie Rocky nichts Recht machen?

Doch das skurile Paar zog sogar noch weitere Artgenossen an - die dann in friedlicher Eintracht um den grauen W├╝terich versammelt auf dem Fu├čboden sa├čen und denen es omin├Âserweise ├╝berhaupt nichts auszumachen schien, dass Rocky jeden anschrie und alles in Reichweite zu bei├čen versuchte.

Inzwischen wei├č ich, dass Rocky seinen Namen zu Recht von seiner Retterin erhielt, denn er ist zwar k├Ârperlich klein, aber in tiefster Seele ein K├Ąmpfer, der nicht aufgibt bis zum Happy End.

Rocky lebte seit gut einem Vierteljahr bei mir im Vogelzimmer, als ich ihn das erste Mal seine Henne z├Ąrtlich kraulen sah.

Rocky ist inzwischen l├Ąngst nicht mehr der nervige Schreihals auf dem Fu├čboden, er turnt selbstbewu├čt die ├äste hinauf und hinunter, fri├čt gen├╝sslich auch die Gem├╝se- und Obstsorten, deren Anblick ihn anfangs panisch vor Angst schreien lie├čen, und nimmt rege am Sozialleben teil. Denn inzwischen hat er nicht nur gelernt, innerhalb des Schwarmes zahlreiche Freundschaften zu pflegen, sondern sich auch alles andere abgeguckt, wie ein anst├Ąndiger Nymphensittich sich ansonsten zu verhalten hat.

Rocky wird wohl immer ein Vogel mit k├Ârperlichen Handicaps sein - aber er ist inzwischen so zufrieden, wie ein flugunf├Ąhiger Sittich nur sein kann, und das wohl nur deswegen, weil er ein vollwertiges Mitglied des Schwarmes werden durfte und trotz seiner k├Ârperlichen Behinderungen & seines teils skurilen Verhaltens von den anderen Nymphensittichen vom ersten Moment an als einer der ihren akzeptiert wurde.

Vielleicht k├Ânnten wir alle noch eine Menge lernen davon, einen Schwarm Nymphensittiche dabei zu beobachten, wie selbstverst├Ąndlich sie einem behinderten Artgenossen Teilhabe am Schwarmleben erm├Âglichen ...

 

Vom Saulus zum Paulus

Vor einiger Zeit habe ich einen Anruf bekommen von einem Herrn, der gern 4 in die Jahre gekommene H├╝hner auf meinem Gnadenhof abgeben wollte - im Prinzip nichts Ungew├Âhnliches, immerhin besteht unsere bunte kleine H├╝hnerschaar aus lauter auf dem einen oder anderen Wege geretteten H├╝hnchen, aber f├╝r mich war dieser Fall trotzdem etwas besonderes:

Der Besitzer der H├╝hner war gelernter Schlachter und hatte sein Leben lang in diesem Beruf gearbeitet. Als die endg├╝ltige Aufgabe der H├╝hnerhaltung zum Thema wurde, erwarteten folglich die Nachbarn, dass die H├╝hner von ihrem Besitzer geschlachtet und im Rahmen eines geselligen Beisammenseins als Brathendl serviert werden sollten.

Doch der Besitzer war inzwischen von Saulus zum Paulus geworden und hatte f├╝r sich entschieden, dass keine weiteren Tiere durch seine Hand sterben sollten, nie wieder wollte er ein Tier t├Âten, schon gar nicht das eigene Federvieh ... und so brachte er die Hennen zu uns auf den Gnadenhof, damit sie ihr Leben in Frieden leben und vor den Bratr├Âhren und Suppent├Âpfen dieser Welt sicher sein sollten.

Den gefr├Ąssigen Nachbarn jedoch plante er als Ersatz heimlich gekaufte namenlose Tiefk├╝hl-H├Ąhnchen zu servieren, damit es keinen Streit g├Ąbe, immerhin m├╝sse man miteinander auskommen in der Nachbarschaft ...

Ich habe hinterher lange nachgedacht ├╝ber zwei Aspekte dieser Geschichte:

Erstens, wie wunderbar es ist, wenn ein Mensch nach vielen Jahren seine Einstellung und damit sein ganzes Leben ├Ąndert, um zum Tiersch├╝tzer geworden seinen H├╝hnern das Leben zu schenken. Nat├╝rlich rettet er damit nur einige wenige H├╝hner im Vergleich zu vielen anderen, die dieses Gl├╝ck nicht haben - aber f├╝r seine H├╝hner bedeutete diese gute Tat die ganze Welt!

Zweitens, wie viel m├╝sste sich noch ├Ąndern auf dieser Welt, damit es m├Âglich w├Ąre, den Nachbarn beim geselligen Beisammensein statt heimlich gekauftem Tiefk├╝hl-H├Ąhnchen eine Gem├╝sepfanne mit Tofu zu servieren und diese ohne Rechtfertigungsdruck gemeinsam verspeisen zu k├Ânnen?

 

Das Terror-Shetty

Bei meiner Arbeit mit Problempferden erlebe ich immer wieder, dass die Besitzer im telefonischen Vorgespr├Ąch die Ursache der Schwierigkeiten mit einem Pferd ganz anders einsch├Ątzen als ich beim sp├Ąteren Kennenlernen vor Ort.

Gerade k├╝rzlich habe ich ein Telefonat gef├╝hrt, in welchem mir wortreich geschildert wurde, man habe im guten Glauben ein h├╝bsches kleines braunwei├č geschecktes Shetty f├╝r die kleine Tochter gekauft von einem offensichtlich betr├╝gerischen Vorbesitzer.

Das als angeblich in jeder Lebenssituation absolut brav verkaufte Pony habe sich jedoch inzwischen als wahres Terror-Shetty entpuppt. Es sei schlichtweg unm├Âglich, dem Biest die Hufe zu pflegen, da es bei jedem Versuch, einen Huf aufzuheben, sich wahlweise komplett auf den Boden werfe, kerzengerade in die Luft steige oder b├Âsartig in alle Richtungen austrete.

Selbst den inzwischen dringend ├╝berf├Ąlligen Hufschmied habe man sich bisher nicht getraut zu rufen, immerhin sei es hochpeinlich, dass dieses Problem so hartn├Ąckig nicht in den Griff zu kriegen sei angesichts der Tatsache, dass beide Eltern als langj├Ąhrig erfolgreiche Turnierreiter mit stets mehreren hervorragend erzogenen Warmbl├╝tern im eigenen Stall bekannt seien!

Angesichts der Dringlichkeit einer baldm├Âglichst nachzuholenden Hufpflege vereinbarten wir direkt am Folgetag einen Termin, an dem ich vor Ort versuchen sollte, das Terror-Shetty in den Griff zu bekommen.

Als ich auf den Hof fuhr, traute ich meinen Augen kaum, denn auf dem hofeigenen Reitplatz ritt v├Âllig ohne jede Schwierigkeiten die kleine Tochter besagtes geschecktes Shetty gem├╝tlichen Schrittes in die Runde. ├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass die Reiterin weder so wirkte, als ob sie besonders sattelfest sei, noch h├Ątte ich ihr umfassendere F├Ąhigkeiten als Drachenb├Ąndigerin zugetraut, immerhin schien sie gerade erst knapp das Grundschulalter erricht zu haben?

Als sie mich bemerkte, winkte sie mir zu und hielt das Pony an, um anschlie├čend unter Gekicher langsam ├╝ber den Po des tiefenentspannt ruhig stehenden Ponys hinabzurutschen. Nach einer von Herzen kommenden innigen Umarmung des Ponyhalses als Dank f├╝r seinen treuen Dienst als Reittier fasste sie das Z├╝gelende und hopste vom Reitplatz ├╝ber den Hof zum Putzplatz im Stallgeb├Ąude, wobei das sehr zufrieden wirkende Shetty am durchh├Ąngenden Z├╝gel eifrig hinterhertrippelte und sich am Zielort angekommen brav anbinden lie├č.┬á

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits felsenfest davon ├╝berzeugt, dass dieses kleine moppelige braunwei├č gescheckte Shetty nicht nur ├╝ber ein Herz aus Gold, sondern auch ├╝ber eine mit Auszeichnung absolvierte Ausbildung als professioneller Babysitter f├╝r kleinw├╝chsige Reitanf├Ąnger verf├╝gen m├╝├čte.

Was mir dagegen gro├če R├Ątsel aufgab war die Frage, wieso jemand ein Problem mit diesem ├╝beraus liebensw├╝rdigen Pony haben k├Ânnte, immerhin hatte es sich mir nur von seiner allerbesten Seite gezeigt?

Dann erschien der Vater des M├Ądchens - etwa anderthalb K├Âpfe gr├Â├čer als ich, Schultern breit wie ein Bobybuilder und H├Ąnde riesig wie B├Ąrenpranken - und sein Auftritt erkl├Ąrte nun wirklich restlos alles.

Unter wortreichen Erkl├Ąrungen wurde zuerst das gro├če Schiebetor am Stalleingang verschlossen, um der Bestie die Fluchtm├Âglichkeiten zu nehmen. Danach wurde zwecks besserer Beherschung der Kreatur die L├Ąnge des Anbindestrickes auf etwa die H├Ąlfte gek├╝rzt, wobei Shetty und Vater sich bereits mi├čtrauisch be├Ąugten. Man kannte sich, soviel war klar!

Nach kurzem Taxieren des Gegners schoss der Vater herab wie ein angreifender Raubvogel und packte mit festem Griff beider B├Ąrenpranken den linken Vorderhuf des panisch ausweichenden Ponys, um ihn sogleich emporzuzerren und auf seinem Oberschenkel zu fixieren.

Das Shetty stieg im selben Moment kerzengerade in die Luft und warf sich dann unter heftigem Strampeln mit allen 4 Beinen auf die rechte Pobacke. Das war ungef├Ąhr der Zeitpunkt, wo der Vater den Huf loslassen mu├čte und eine Ausweichbewegung initiierte, die jedoch durch das geschlossene Schiebetor behindert wurde. Zu sp├Ąt, das Shetty war bereits aufgesprungen, warf sich herum und trat energisch mit beiden Hinterbeinen gegen den Vater aus - Volltreffer!

Mein Eingreifen beendete abrupt den 2.Akt des Dramas, der soeben vom Vater durch den Griff zu einer langen Dressurgerte eingel├Ąutet wurde.

Ich bat den Vater mit ruhiger Stimme, ob er mir bitte seinen Warmbl├╝ter in der Box vorn rechts zeigen k├Ânnte.

Nicht ohne Stolz wurde mir der hochgewachsene Dunkelfuchs pr├Ąsentiert, und nat├╝rlich konnte der Vater gar nicht anders, als mir zu demonstrieren, wie fabelhaft erzogen sein eigenes Reitpferd die Hufe gab. Tats├Ąchlich brauchte es noch nicht einmal ein Stallhalfter, souver├Ąn lie├č der Fuchs seinen Huf von seinem Besitzer auf dessen Oberschenkel hochziehen.

Dann habe ich gefragt, ob dem Vater vielleicht au├čer der Fellfarbe noch ein weiterer Unterschied auffiele zwischen dem Schecken und dem Fuchs?

Nach etwas Hilfe meinerseits durch Andeuten der verschiedenen Widerristh├Âhen durch Handbewegung fiel dem Vater sehr schnell auf, dass das Shetty mit 90cm deutlich kleiner sei als sein Warmbl├╝ter mit 185cm Stockmass.

"Richtig erkannt - was folgt daraus?" war meine Antwort mit gen Himmel verdrehten Augen.

Es war ihm wenig sp├Ąter dann selbst peinlich zugeben zu m├╝ssen, dass weder er noch seine Frau je auf den Gedanken gekommen waren, dass ein winziges Shetty selbst bei bestem Willen k├Ârperlich schlicht nicht in der Lage sein k├Ânnte, seinen Huf genau so hoch zu heben wie ein mehr als doppelt so gro├čes Warmblut ...

Denn nat├╝rlich war es m├╝helos m├Âglich, dem sichtlich erleichterten Shetty die Hufe zu Pflegezwecken aufzuheben, wenn man dabei eine seiner Ponygr├Â├če angepasste H├Âhe w├Ąhlte, anstatt den Huf hochzuzerren auf Oberschenkelh├Âhe seines h├╝hnenhaften Herrn, was immerhin fast der R├╝ckenh├Âhe des ├╝berforderten Ponys entsprochen hatte!

Ich habe danach noch lange dar├╝ber nachgedacht, dass wir alle viel ├Âfter unsere Anspruchshaltungen ├╝berdenken sollten, anstatt sofort zur Gerte zu greifen, wenn Pferde angesichts zu hoher Anforderungen in eigentlich allzu gut nachvollziehbare Streikhaltung verfallen - ist nicht im Gegenteil viel mehr immer wieder erstaunlich, wie oft sich unsere Pferde aus Gro├čherzigkeit & Liebe uns gegen├╝ber allergr├Â├čte M├╝he geben, die an sie gestellten Aufgaben trotz ├ťberforderung noch bestm├Âglich erf├╝llen zu wollen?

 

Katzenw├Ąsche

Mich erreichte vor nicht allzu langer Zeit der Anruf einer panischen ├Ąlteren Dame: "Gut, dass ich Sie erreiche, weil Sie kennen sich doch mit Katzen aus?"

Als ich z├Âgernd bejahte, platze sie auch schon mit ihrem Problem heraus: "Ich war eben im Badezimmer und habe die Waschmaschine eingeschaltet. Dabei habe ich v├Âllig ├╝bersehen, dass die Katze noch darin war. Ich lasse n├Ąmlich immer die T├╝r offen stehen, weil die Katze so gern in der W├Ąsche eingerollt schl├Ąft! Was mache ich denn jetzt?!"

Ich f├╝hlte mich zwar etwas ├╝berfordert von diesem Problem, habe aber tapfer nachgefragt, ob die Katze denn wohl noch atmen w├╝rde?

Die Besitzerin antwortete, dass sie das schlecht sehen k├Ânnte.

Dann habe ich gefragt, ob sie vielleicht mal f├╝hlen k├Ânnte, ob die Katze noch Puls h├Ątte?

Die Dame antwortete, dass sie nicht in der Lage sei, die Katze anzufassen.

Damit fiel die von mir angedachte Anleitung zur Reanimationsversuchen wohl ins sprichw├Ârtliche Wasser?

Ich f├╝hlte mich inzwischen v├Âllig ├╝berfordert und gab das dann auch offen zu:"Ich wei├č nicht, wie ich Ihnen da weiterhelfen k├Ânnte - so aus der Entfernung ist das alles ein bisschen schwierig?"

Die Dame zeterte ins Telefon:"Sie sollen mir sagen, was ich tun soll?! Meine arme Katze sitzt in der Waschmaschine - und die guckt schon ziemlich b├Âse, weil immer mehr Wasser reinl├Ąuft und sie nicht nass werden will! Jetzt sagen Sie mir endlich, was ich tun soll?!"

Ich hatte einen Geistesblitz:"Wo befindet sich die Katze jetzt, in diesem Moment? Befindet die Katze sich jetzt, in diesem Moment, w├Ąhrend wir telefonieren, etwa immernoch in der laufenden Waschmaschine?!"

Z├Âgerlich kam von der anderen Seite der Leitung:"Ja, darum rufe ich doch an - ich wei├č nicht, was ich tun soll, zumal die Katze schon ganz b├Âse guckt?"

Ich bem├╝hte mich um Ruhe, atmete tief ein und br├╝llte dann in den H├Ârer:"Holen Sie sofort die arme Katze aus der Waschmaschine!"

Mit zittriger Stimme wurde mir geantwortet, die Waschmaschinent├╝r lie├če sich leider nur nach Programmende ├Âffnen, und das Programm sei gerade erst gestartet. Die Maschine w├╝rde vorraussichtlich noch etwa anderthalb Stunden laufen, denn so lange brauche das 30 Grad Schonprogramm f├╝r Wolle und Feines ├╝blicherweise. Im ├╝brigen w├╝rde die Katze inzwischen wirklich, wirklich b├Âse gucken?

Daraufhin riet ich der Dame, den Stecker auf der R├╝ckseite der Maschine aus der Steckdose zu ziehen.

Sie reagierte v├Âllig irritiert:"Aber dann h├Ątte meine Waschmaschine doch keinen Strom mehr? Die Waschmaschine braucht aber doch Strom, um meine W├Ąsche zu waschen?"

Ich bem├╝hte mich wirklich, nicht laut zu werden angesichts der Lebensgefahr f├╝r die Katze und der begriffstutzigen Besitzerin, und schrie in den H├Ârer:"Sie ziehen jetzt sofort den Stecker heraus, damit das Waschprogramm unterbrochen wird, dann l├Ą├čt die T├╝r sich ├Âffnen und sie k├Ânnen die Katze endlich aus der Waschmaschine holen! Danach k├Ânnen Sie doch den Stecker wieder einstecken und immernoch ihre W├Ąsche waschen - ohne Katze!"

Die alte Dame ├Ąu├čerte mit einem beleidigten Unterton :"Sie m├╝ssen mich ja nicht gleich derart unfreundlich ..."

Ich unterbrach sie harsch im Kasernenhofton:"Stecker rausziehen, T├╝r ├Âffnen, Katze rausholen! Sofort!"

Dann h├Ârte ich zuerst ein leises Klappern, danach gellendes Geschrei ...und dann die vorwurfsvolle Stimme der ├Ąlteren Dame in leidendem Ton: "Ich dachte, Sie kennen sich so gut mit Katzen aus? Das h├Ątten Sie mir aber vorher sagen m├╝ssen, dass die Katze mich kratzt, wenn ich sie aus der Waschmaschine heben und zum Abtrocknen auf den Arm nehmen will! Ich hatte Sie extra darauf hingewiesen, dass die Katze diesen wirklich, wirklich b├Âsen Gesichtsausdruck hatte!"

Ich m├Âchte aus gegebenem Anlass auf folgende Tatsachen hinweisen:

Katzen k├Ânnen sehr unleidlich reagieren, wenn ihre Besitzer sie bei der Katzenw├Ąsche unter Zuhilfenahme von elektrischen Gro├čger├Ąten unterst├╝tzen.

Katzen sind selbstreinigend.

 

Der Gedankenleser

Manchmal, wenn ich fremde Hunde und ihre Menschen beobachte, bin ich erstaunt zu sehen, wie sehr manche Hunde auf Gehorsam gedrillt durch`s Leben traben. Sie gehen bei Fu├č eng neben dem linken Knie des Besitzers, wenden kaum einmal den Blick von seinem Gesicht, um blo├č kein Kommando zu verpassen, und das eben gerade nicht nur auf einem Hundeplatz, sondern auch in allt├Ąglichen Situationen auf der Gassirunde im Park.

Ich frage mich dann immer, ob sie gehorchen, weil sie Angst vor Strafe haben oder weil sie so sehr auf Leckerlies fixiert sind, dass sie sich nur um eines zu erhaschen derart devot auff├╝hren.

Einnerseits mag es ja ganz nett sein insbesondere f├╝r das eigene Selbstbewu├čtsein, wenn der Hund sich auch im Alltag immer so benimmt, als wolle er Preise in einem Gehorsamswettbewerb gewinnen.

Andererseits w├╝rde ich mir als Hundef├╝hrer Gedanken machen, ob das permanente Hochschauen nach rechts oben nicht auf die Dauer zu Wirbels├Ąulensch├Ąden f├╝hrt - ich habe es einmal selbst ausprobiert und litt bereits nach wenigen Minuten an ernstzunehmenden Problemen durch schmerzhaft verkrampfte Nackenmuskulatur?

Ich habe keine Ahnung, ob meine Halswirbels├Ąule empfindlicher ist als die eines durchschnittlichen mitteleurop├Ąischen Sch├Ąferhundes, aber ich kann eines mit Gewissheit sagen: meine Hunde traben anders durch`s Leben?

Genaugenommen wuseln meine Hunde auf unseren ausgedehnten Spazierg├Ąngen durch Wald und Feld meistens eher vage irgendwo in meiner N├Ąhe herum, mal rechts von mir, mal links von mir, mal im Spiel vorraushopsend, mal am Wegrand schnuppernd zur├╝ckbleibend ... Kurz, ich mu├č mich damit abfinden, wohl keine Preise mit ihrem Auftreten in der ├ľffentlichkeit gewinnen zu k├Ânnen?

Sicherheitshalber habe ich stets vermieden, mit einem von ihnen jemals auch nur in die N├Ąhe eines Hundeplatzes zu kommen.

Trotzdem bin ich der ├ťberzeugung, dass meine Hunde auch ohne antrainierten Kadavergehorsam ganz zufrieden sind, und unter dem Strich bin ich wohl auch sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie sie im Alltag selbst entscheiden, welches Verhalten angemessen sein k├Ânnte in den vielen Situationen, in denen sie eben gerade nicht alles von mir vorgegeben bekommen.

K├╝rzlich hatten wir einen Fliesenleger im Haus, der im Rahmen einer Badrenovierung die neuen Fliesen verlegen sollte. Er arbeitete, nun, wie ein durchschnittlicher deutscher Handwerker eben arbeitet - sprich, in einem guten Teil der Zeit, die ich ihn f├╝r`s Fliesenlegen bezahlte, hat er vom Handy aus Telefonate gef├╝hrt, rauchend drau├čen gestanden oder in seinem Auto gesessen und Pausenbrote gemampft, was unter dem Strich dazu f├╝hrte, dass er in dieser Zeit eben gerade keine Fliesen legte.

Ich mu├č wohl nicht die Tatsache erw├Ąhnen, dass mir lieber gewesen w├Ąre, wenn er seine Zeit ausschlie├člich mit dem Verlegen von Fliesen verbracht h├Ątte?

Trotzdem h├Ątte ich mich nicht beschwert oder mit ihm Streit angefangen, immerhin hat er unter dem Strich wirklich gute Arbeit geleistet und alle Fliesen sitzen inzwischen dank seiner H├Ąnde Arbeit perfekt an ihrem Platz. Ausserdem ist es nicht seine Schuld, wenn andere Kunden ihn w├Ąhrend der Arbeitszeit anrufen und nat├╝rlich gestehe ich ihm auch gewisse Pausenzeiten zu ... wenngleich im Grunde meines Herzens nur ungern, denn ich wollte die Badezimmerrenovierung schnellstm├Âglich abgeschlossen haben?

Ohne die Arbeitsweise dieses speziellen Fliesenlegers bem├Ąngeln zu wollen, ging es mir doch so wie wohl vielen Auftraggebern, dass ich mir vom oft gelobten und genauso oft kritisierten deutschen Handwerk etwas mehr Hundeplatz-m├Ąssigen Kadavergehorsam gew├╝nscht h├Ątte - also genau das, was ich bei meinen Hunden niemals ernsthaft erzieherisch versucht habe durchzusetzen?

Besagte Hunde ├╝brigens haben den Fliesenleger zwei Tage lang kommentarlos bei seiner Arbeit beobachtet, w├Ąhrend sie auf dem Weg zu ihren Gassirunden raus und wieder rein ins Haus an ihm vorbei liefen.

Ich gebe zu, meine Hunde liefen nicht gehorsam neben meinem Knie, sondern wuselten vorraus oder hinterher im ├╝blichen Chaos. Sie guckten auch nicht mich an, kein einziger der Hunde guckte mich an, alle Blicke galten dem Fliesenleger ... wir h├Ątten mal wieder keinen Blumentopf gewonnen auf den Hundepl├Ątzen dieser Welt mit diesem Auftritt.

Am dritten Tag sa├č ich am Computer und erledigte B├╝roarbeit, w├Ąhrenddessen w├Ąhnte ich meine Hunde friedlich im K├Ârbchen schlafend.

Irgendwann nach mehreren Stunden beschlich mich ein ungutes Gef├╝hl, das Gef├╝hl eines Frauchens, was ganz genau wei├č, wenn die Hunde zu lange Ruhe zu halten scheinen, kann das nur bedeuten, dass sie eine spannende neue Besch├Ąftigung gefunden haben ...

Ins Treppenhaus kommend mu├čte ich feststellen, dass sich alle meine 4 Hunde vor der Badezimmert├╝r versammelt hatten. Sie sa├čen halbkreisf├Ârmig nebeneinander in einer Reihe vor der offenen T├╝r und beobachteten jede Bewegung des Fliesenlegers, der emsig Fliesen verlegte. Es war eine and├Ąchtige Konzentration in dieser Aufmerksamkeit, die ich bis dahin nur in den Zuschauerr├Ąngen gesehen habe, w├Ąhrend auf der B├╝hne eine Oper gesungen wurde.

Etwas irritiert fragte ich den Fliesenleger:

"Meine Hunde sind ja bei Ihnen - ich hoffe, sie haben Sie nicht bei der Arbeit gest├Ârt?"

Der Fliesenleger antwortete mit einem gequ├Ąlten Grinsen:

"Nein, die Hunde st├Âren ├╝berhaupt nicht bei der Arbeit, im Gegenteil: Solange ich Fliesen gelegt habe, haben sie nur ganz ruhig da vorn gesessen und mich beobachtet. Allerdings ist wirklich gut, dass Sie kommen, weil immer wenn ich aufgestanden bin und versucht habe, den Raum zu verlassen, um das in meiner Jackentasche drau├čen klingelnde Handy zu nehmen, oder um rauszugehen f├╝r eine Pause, dann ist der gro├če R├╝de aufgestanden, hat sich maximal gro├č gemacht und hat mich derart b├Âse fixierend angeguckt, teils leise geknurrt dabei, dass ich mich nicht getraut habe, was anderes zu tun, als mich ganz schnell wieder an die Arbeit zu machen. Denn sobald ich weiter Fliesen verlegt habe, hat er sich wieder hingesetzt und nur ganz friedlich zugeschaut. Jetzt habe ich zwar wirklich viele Fliesen verlegt heute, aber es ist inzwischen auch schon recht sp├Ąt und ich w├╝rde wirklich gern Feierabend machen - Wenn Sie Ihren Hunden bitte erkl├Ąren k├Ânnten, dass ich mit Fliesenlegen aufh├Âren und den Raum verlassen darf?"

Offensichtlich hatte mein Hund ganz ohne ausdr├╝ckliches Kommando meinerseits meine feinen unbewu├čten K├Ârpersprache-Signale so genau gelesen, dass er verstanden hatte, was ich mir vom Fliesenleger w├╝nschte ( Fliesen legen ) und was nicht ( Telefonate & Pausen ).

Als ein typischer Sch├Ąferhund, der im Grunde seines Herzens stets bem├╝ht ist, Frauchen gl├╝cklich zu machen, hatte er selbstst├Ąndig entschieden, gemeinsam mit seinem Rudel daf├╝r Sorge zu tragen, dass der Fliesenleger seiner Arbeit ohne Unterbrechungen nachging.

Das war der Moment, in dem ich wu├čte, warum ich im t├Ąglichen Zusammenleben mit meinem Hund gl├╝cklich war, obwohl oder gerade weil ich ihn nicht zu einem allzeit gehorsamen Befehlsempf├Ąnger erzogen habe:

Mein intelligenter R├╝de sah seine Aufgabe stets darin, meine Gedanken zu lesen und daraus eigene Schl├╝sse zu ziehen, wie er selbstst├Ąndig handeln k├Ânnte, um mir eine Freude zu machen - und das ist nicht nur an Tagen mit Handwerker im Haus wesentlich hilfreicher, als einen tumben Befehlsempf├Ąnger zu besitzen, der in Ermangelung eines einstudierten Kommandos seinen Einsatz im K├Ârbchen liegend verschl├Ąft?

Kurz darauf erw├Ąhnte eine Freundin, dass sie Probleme mit einigen wirklich ├╝berdurchschnittlich arbeitsscheuen Arbeitern h├Ątte, die vor ihrem Haus seit Wochen bei Pflasterarbeiten herumtr├Âdelten.

Ihr eigener Hund kann zwar wirklich fabelhaft bei Fu├č gehen - ├╝berfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass er sich in dieser Sache als wenig hilfreich erwies.

Ich bin f├╝r gew├Âhnlich einem kleinen Nebenverdienst nicht abgeneigt und habe daher in Erw├Ągung gezogen, meinen R├╝den stundenweise zu Verleihen.

├ťber den Preis w├Ąren wir uns schon einig geworden. Immerhin war meine Freundin wirklich sehr genervt von der Art und Weise, wie die Baustelle sich zu einem L├Ąrm und Schmutz verbreitenden Dauerzustand zu entwickeln drohte. Sie w├Ąre dementsprechend gern bereit gewesen, f├╝r eine L├Âsung des Problems auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen, sofern sie einen wirklich erfahrenen Profi in Sachen Arbeitsbeschleunigung erhielte.

Dummerweise kam unser Deal nicht zustande.

Es stellte sich ├╝berraschenderweise heraus, dass mein R├╝de kein Kommando befolgte, dass ihn dazu aufforderte, jemand anderes als das eigene Frauchen gl├╝cklich zu machen.

 

Der manisch-depressive Goldhamster

Ein Teil meiner Arbeit besteht daraus, dass ich Tieren und ihren Menschen helfe, L├Âsungen f├╝r kleinere oder gr├Â├čere Probleme im Umgang miteinander zu finden. H├Ąufig handelt es sich bei den Tieren um Pferde, oft Hunde, seltener Katzen oder V├Âgel. K├╝rzlich bekam ich tats├Ąchlich erstmals einen Anruf wegen eines Goldhamsters, dessen problematisches Verhalten seine Besitzer dazu gebracht hatte, bei mir Rat zu suchen.

Ich bin zwar nicht gerade ein ausgewiesener Spezialist f├╝r die Therapie von Verhaltensproblemen beim Goldhamster, aber vermutlich gibt es nicht besonders viele Menschen, die sich auf dieses spezielle Spezialgebiet spezialisiert haben.

Wahrscheinlich neigen entweder Goldhamster im allgemeinen nicht besonders zu Verhaltensauff├Ąlligkeiten. Oder wenn Goldhamster doch eine Verhaltensanomalie entwickeln, neigen wahrscheinlich die Goldhamsterbesitzer im allgemeinen auch einfach nicht besonders dazu, diese Verhaltensprobleme therapieren zu lassen.

Wie dem auch sei, ich war mir zwar meiner Erfahrungsdefizite auf dem Gebiet der Therapie von Goldhamstern durchaus v├Âllig bewu├čt, habe aber in Ermangelung von besser geeigneten Alternativen zugestimmt, vorbeizukommen und mir das Problem vor Ort schildern zu lassen, um unter Nutzung meines rudiment├Ąr vorhandenen Wissens ├╝ber Goldhamster zu versuchen, eine f├╝r alle Beteiligten zufriedenstellende L├Âsung zu finden.

Ich betrat also die Wohnung besagter Hamsterbesitzer und wurde direkt in ein ziemlich rosa und mit viel Glitzer gestaltetes Kinderzimmer gef├╝hrt.

Wie sich herausstellte, war der Goldhamster ein Geburtstagsgeschenk f├╝r die f├╝nfj├Ąhrige Tochter der Familie, daher stand sein K├Ąfig direkt neben ihrem Bett auf einem kleinen Tischchen. ├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass das kleine Tischchen ebenfalls rosafarben mit Glitzer war, wunderh├╝bsch anzuschauen, insbesondere aus der Sicht einer komplett pinkfarben gekleideten F├╝nfj├Ąhrigen mit Strassstein-geschm├╝cktem Plastikdiadem auf dem Kopf.

Der Hamsterk├Ąfig jedenfalls war zwar nicht besonders gro├č oder ├╝ppig eingerichtet, aber passend zum Dekorationsstil der f├╝nfj├Ąhrigen Innenraumgestalterin in rosafarbener Prinzessinnen-Optik gestaltet. Er bot seinem Bewohner eine Mischung aus Stroh und Heu auf dem Boden und ansonsten als Einrichtung ausser einem Futternapf mit Pellets und einer ins Gitter geh├Ąngten Trinkflasche nur noch ein rosafarbenes Schlafh├Ąuschen, was daf├╝r aber zumindest mit vielen kleinen Abbildungen von goldenen Kr├Ânchen gl├Ąnzte.

In genau diesem Schlafh├Ąuschen hatte sich der kleine Goldhamster verschanzt, was bei seiner Besitzerin sofort Emp├Ârung hervorrief.

Sie rappelte mit beiden F├Ąusten am rosafarbenen Gitter und quengelte lautstark:"Komm`sofort raus, Little Lillifee!"

Einerseits war ich ehrlich gesagt wenig ├╝berrascht von der Namenswahl. Andererseits hatte ich ( ganz ohne den Hamster ├╝berhaupt gesehen zu haben ) spontan und intuitiv das sichere Bauchgef├╝hl, dieser Hamster k├Ânne garantiert und ausschlie├člich nur ein m├Ąnnlicher Goldhamster sein.

Die Mutter der kleinen M├Âchtegernprinzessin erl├Âste mich aus dieser f├╝r meinen Geschmack etwas zu rosafarbenen Parallelwelt und zog mich hinter sich her bis zur Wohnzimmercouch, um kaum dort angekommen auf mich ein wie ein Wasserschwall einzuplappern:

Sie h├Ątten in gutem Glauben dem Wunsch der Tochter nach einem eigenen Haustier entsprochen und in der Zoofachabteilung eines ├Ârtlichen Kaufhauses diesen Goldhamster samt Zubeh├Âr gekauft. Jedoch habe das Tier sich vom ersten Tag an als v├Âllig ungeeignet erwiesen, um der Tochter ein geeigneter Spielgef├Ąhrte zu sein, da es offensichtlich unter einer psychischen Erkrankung litte, welche das Zusammenleben mit ihm v├Âllig unm├Âglich mache.

Man habe sogar versucht, den Goldhamster hinter dem R├╝cken der Tochter in der Zoofachabteilung zu reklamieren und ihn gegen einen identisch gef├Ąrbten, aber psychisch stabileren Hamster auszutauschen. Dies sei allerdings nicht nur an der Weigerung des Verkaufspersonales bez├╝glich der R├╝cknahme des fehlerhaften Tieres gescheitert. Dar├╝berhinaus habe sich diese Idee als ├╝beraus schwierig in der Durchf├╝hrung erwiesen, da die Tochter ihre Little Lillifee gerade aufgrund der besonders h├╝bschen Scheckung des Felles ausgew├Ąhlt habe und nun h├Ątte es sich als komplett unm├Âglich herausgestellt, ein Tier mit identischer Fellzeichnung zu aufzutreiben.

Folglich sei meine kompetente Hilfe das Einzige, was in dieser vertrackten Lage noch Rettung f├╝r den Hamster, die Tochter und die Gl├╝ckseeligkeit der gesamten Familie bieten k├Ânnte.

Das Erscheinen der heulenden Tochter "Little Lillifee hat mich gebissen!" unterbrach den Redeschwall der ├╝berforderten Mutter kurz, und ich nutzte meine Chance und bat:"Ok, der Hamster bei├čt, wenn ihre Tochter versucht, ihn aus dem Schlafh├Ąuschen zu holen - K├Ânnen Sie mir bitte verraten, was es dar├╝ber hinaus f├╝r Probleme mit seinem Verhalten gibt?"

Denn ich r├Ątselte ehrlich gesagt immer noch etwas, was f├╝r ein merkw├╝rdiges Verhalten ein Goldhamster wohl zeigen k├Ânnte, um seine Besitzer dazu zu bringen, eine psychische St├Ârung zu vermuten und einen Hamster-Fl├╝sterer zu Therapiezwecken zu engagieren?

Die Tochter h├Ârte so abrupt auf zu heulen, als ob ich einen Wasserhahn zugedreht h├Ątte, zupfte an meinem ├ärmel und sagte:" Little Lillifee ist krank!", um dann im Fl├╝sterton hinzuzusetzen:"Krank im Kopf, wie Oma!"

Die Mutter kl├Ąrte mich dann ├╝ber das schlecht geh├╝tete Familiengeheimnis auf, ihre Schwiegermutter sei phasenweise manisch-depressiv gewesen. Mittlerweile ginge es ihr zwar wieder gut. Aber ihnen w├Ąre bez├╝glich des Hamsters aufgefallen, dass genau wie bei der Schwiegermutter sein Verhalten starken Schwankungen unterliege. Mal habe der Hamster an nichts Interesse und verkrieche sich nur in seinem Schlafh├Ąuschen, um dort bewegungslos zu verharren. Dann wieder drehe der Hamster schier durch vor Energie, laufe hin und her, randaliere in seinem K├Ąfig, indem er das Futtert├Âpfchen umwerfe oder laut klappernd am Trinkfl├Ąschchen rappele - dann k├Ânne nichts ihn beruhigen. Deshalb h├Ątten sie angenommen, dass der Hamster ├Ąhnlich der Schwiegermutter manisch-depressiv geworden sei?

Ich dachte einen Augenblick scharf nach und sagte dann:"Lassen Sie mich raten: Der Goldhamster zeigt einen klaren Tag- und Nacht-Rhythmus. Er ist tags├╝ber nur im Schlafh├Ąuschen und liegt rum. Dann kann nichts ihn motivieren, rauszukommen, um mit ihrer Tochter zu spielen, und wenn sie ihn rausholt, bei├čt er. Nachts dagegen ist er hyperaktiv und randaliert mit Futternapf und Wasserflasche, dass ihre arme Tochter kein Auge zubekommt von dem L├Ąrm, den er r├╝cksichtslos veranstaltet!"

Die Mutter strahlte mich an:"Ganz genau richtig - Woher wu├čten Sie das?!"

Ich rollte die Augen gen Himmel und sagte: "Weil der Hamster weder verhaltensgest├Ârt ist noch krank, sondern sich komplett normal verh├Ąlt. Goldhamster sind ohne Ausnahme nachtaktive Tiere. Es entspricht ihrer Natur, den Tag zu verschlafen, um in der Nacht aktiv zu werden."

Die Mutter guckte mich v├Âllig verdattert an: "Aber was machen wir denn jetzt?"

Ich strahlte sie an und verk├╝ndete:

"Sie k├Ânnen ganz einfach alle Probleme l├Âsen! Das Einzige, was Sie tun m├╝ssen, ist, ihre Tochter ab sofort immer tags├╝ber ins Bett zu stecken, damit sie den ganzen Tag verschl├Ąft. Das sollte komplett problemlos m├Âglich sein, weil der Hamster ja um die Zeit auch schl├Ąft und folglich Ruhe im Zimmer herrscht? Wenn dann Hamster & Tochter am Abend ausgeruht erwachen, haben sie Gelegenheit f├╝r gemeinsame Aktivit├Ąten, und das fabelhafterweise die ganze Nacht lang. Am Besten bauen Sie dazu das Zimmer ihrer Tochter dahingehend um, dass es ein Hamster-Abenteuer-Paradies mit lauter R├Âhren-G├Ąngen und verschiedenen H├Âhlensystemen wird. Und am Morgen gehen dann beide wieder gleichzeitig schlafen. Weil genau so ist der Aktivit├Ątsrhythmus eines Hamsters und eine f├╝r seine Bed├╝rfnisse optimierte Umgebung? Ihre Tochter muss sich da nur anpassen!"

Die Mutter stutzte und sagte dann z├Âgernd: "Aber ich kann doch nicht meine Tochter auf Dauer Tag und Nacht vertauschen lassen? Und von ihr erwarten, dass sie in einer Behausung lebt, die ..."

Jetzt war ich an der Reihe, v├Âllig ├╝berrascht zu gucken: "Wieso denn nicht? Genau das haben Sie doch von Ihrem Goldhamster auch verlangt?"

 

Die verfressene H├╝ndin

An einem wundersch├Ânen Fr├╝hlingstag haben wir eine Mischlingsh├╝ndin aus einem deutschen Tierheim adoptiert, die urspr├╝nglich aus dem Auslandstierschutz stammte. ├ťber die Vorgeschichte dieser H├╝ndin ist nur wenig bekannt, sie wurde als Streuner auf der Stra├če eingefangen.

Wie viele Streuner aus dem S├╝den war sie bei ihrer Ankunft sehr mager und sehr scheu.

So gesehen traf es sich gut, dass sie vom ersten Moment an extrem verfressen war. Denn einerseits war es gut m├Âglich, sie ├╝ber st├Ąndiges F├╝ttern aus der Hand an den Kontakt mit Menschen zu gew├Âhnen, und schnell fasste sie Vertrauen zu ihrer neuen Menschenfamilie. Andererseits legt so ein magerer aber verfressener Strassenhund zum Gl├╝ck schnell an K├Ârpermasse zu, wenn man ihm bei jeder Gelegenheit Futter anbietet.

Irgendwann im Sommer kam dann allerdings der Tag, wo die H├╝ndin endlich die von uns angestrebte Idealfigur erreicht hatte: nicht zu d├╝nn und nicht zu dick, sondern voll bemuskelt und ohne rausstehende Knochen, aber eben auch nicht moppelig. ├ťbergewicht ist schlie├člich genauso gesundheitssch├Ądlich wie Untergewicht, und wer will nicht das Allerbeste f├╝r seinen Hund?

Wir waren total begeistert und reduzierten ihre Futterration von "alles was irgend reingeht" auf die Menge, die auf der Futterverpackung als angemessen f├╝r Hunde ihrer Gr├Â├če & Gewichtsklasse angegeben war.

Die H├╝ndin war deutlich weniger begeistert, denn sie verstand ├╝berhaupt nicht, warum es seit neuestem nur noch zugeteilte Rationen statt stets gef├╝llter N├Ąpfe gab?

Dabei war sie durchaus erfinderisch, wenn es darum ging, irgendwo einen mehr oder weniger für Hunde geeigneten Snack zu erhaschen? Es kam der Tag, wo ich die Hündin sogar dabei ertappte, dass sie auf einem Spaziergang am Rande eines Weizenfeldes stand und die Ähren auskaute, in der Hoffnung, so den immer knurrenden Magen zu füllen.

Au├čerdem mu├č man sagen, es gab keinen aufmerksameren Hund als diese spezielle H├╝ndin: Sobald einer von uns sich der K├╝che nur n├Ąherte, kam sie angetrabt in der Hoffnung auf einen Snack. Sie tat, was keiner unserer Hund vor ihr getan h├Ątte: Sie bettelte bei Tisch um Menschenessen, denn aus ihrer Sicht handelte es sich um v├Âllig ad├Ąquate Nahrung f├╝r einen mittelgro├čen wei├čen Sch├Ąferhundmischling?

Ich kenne mich mit Hundeerziehung und Hundef├╝tterung bei weitem besser aus als der beste G├Âttergatte der Welt, folglich predigte ich selbigem jeden Tag, auf keinen Fall dieser H├╝ndin Essen vom Tisch zu geben. Erstens seien Schmierk├Ąsebrote genauso ungeeignet als Hundefutter wie Nudeln mit So├če, zweitens, so betonte ich, w├╝rde das Betteln nur verst├Ąrkt, wenn ein Mensch aufgrund ├╝bertriebener Gutherzigkeit dem leidenden Hundeblick nachgeben und ihm Essen vom Tisch geben w├╝rde.

Offensichtlich hielt der beste G├Âttergatte der Welt sich nicht an meine Anweisungen, den bettelnden Hund zu ignorieren, denn die Idealfigur unserer H├╝ndin war schon einer deutlichen Moppeligkeit gewichen, als kaum die ersten Bl├Ątter in den bunten Farben des Herbstes zu leuchten begannen.

Ich reduzierte die t├Ągliche Hundefutter-Ration in der Sch├╝ssel der H├╝ndin nach und nach auf so wenige Kroketten Trockenfutter, dass kaum der Boden des Napfes bedeckt war.

Ich schimpfte mit dem besten G├Âttergatten der Welt, ermahnte ihn, hielt Vortr├Ąge ├╝ber die Sch├Ądlichkeit von ├ťbergewicht bei Hunden im Allgemeinen und Menschenessen im Hundemagen im Besonderen.

Der beste G├Âttergatte der Welt weigerte sich zuzugeben, dass die H├╝ndin jemals von ihm auch nur einen Brocken vom Tisch erhalten h├Ątte.

Die H├╝ndin war inzwischen schneckefett und obwohl ich das Hundefutter weiter reduzierte, legte mein Moppelhund mit jedem Tag noch mehr Gewicht zu. Es war mir v├Âllig unbegreiflich, wieso ich trotz allen Bem├╝hungen bez├╝glich Di├Ąt und Bewegung die Figur dieses Hundes nicht in den Griff ( sprich, auf Idealmasse ) bekam?

Irgendwann kam der Tag, an dem meine H├╝ndin aus dem Garten reinkam mit Leidensmiene, weil sie sich einen Backenzahn abgebrochen hatte.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen:

Ich hatte die H├╝ndin in der Hoffnung auf die Figurfreundlichkeit zus├Ątzlicher Bewegungsanreize jeden Tag stundenlang in unseren Garten gelassen.

In unserem Garten gab es zahlreiche Nussb├Ąume und unter denen gab es nicht nur Rasenfl├Ąchen, auf denen ein Moppelhund herumrennen, Spielen und Toben kann. Unter den Nussb├Ąumen gab es im Herbst auch Unmengen an reif heruntergefallenen N├╝ssen, deren Schale ein verfressener ehemaliger Stra├čenhund knacken kann, um deren kalorienreichen Inhalt gierig zu verschlingen.

Ich tat, was ich tun mu├čte:

Ich fuhr die H├╝ndin zum Tierarzt, damit der geborstene Zahn gezogen wurde.

Der beste G├Âttergatte tat, was er tun mu├čte:

Er sch├╝ttelte ├äste und harkte und sammelte in der Zwischenzeit s├Ąmtliche N├╝sse aus unserem Garten.

Wir waren insofern erfolgreich, dass die H├╝ndin nach Reduzierung des Nuss-Anteils in ihrer Ern├Ąhrung erfreulich schnell Gewicht abnahm bis auf eine zumindest akzeptable Figur.

Leider bettelte die H├╝ndin immernoch bei Tisch, als ob es nicht t├Ąglich zu festen Zeiten Mahlzeiten mit anst├Ąndigem Hundefutter f├╝r sie g├Ąbe in exakt der Menge, die auf der Verpackung f├╝r ihre Gr├Â├če und Gewichtsklasse als angemessen angegeben wurde.

Ich hegte den Verdacht, dass der beste G├Âttergatte der Welt ihr doch hin und wieder eine Kleinigkeit bei Tisch zukommen lie├č, einen K├Ąsebrocken, eine Brotkante? Warum sonst w├╝rde dieses Hundetier derart hartn├Ąckig betteln?

Ich habe am Ende eine L├Âsung f├╝r das Problem des ewigen Bettelns gefunden: Frische Ananas! Ich habe am Tisch gesessen, eine frische Ananas in St├╝cke geschnitten und als ich sie gemeinsam mit dem besten aller G├Âttergatten zu verspeisen begann, bettelte die H├╝ndin mal wieder bei Tisch.

Gegen alle meine eigenen Erziehungsprinzipien versto├čend habe ich die H├╝ndin aus einem Bauchgef├╝hl heraus mit Ananas-St├╝ckchen gef├╝ttert.

Dabei stellte sich heraus, dass der verfressenste aller ehemaligen Stra├čenhunde, meine H├╝ndin, die alles fra├č, die Getreide├Ąhren auskaute und N├╝sse knackte, dass sie keine Ananas mochte. Es war nicht etwa nur so, dass sie Ananas nur etwas weniger lecker fand. Ananas schmeckte ihr ├╝berhaupt gar nicht. Sie hatte offensichtlich noch nie so etwas Saures gegessen. Es war deutlich in ihrem Gesicht zu lesen, sie fand Ananas so abgrundtief widerlich, wie noch nie etwas zuvor in ihrem Hundeleben.

Jetzt war es so, dass die H├╝ndin eigentlich das Ziel ihrer Tr├Ąume erreicht hatte: Sie sass mit uns beim Tisch und durfte von dem Mitessen, was ihre Menschen speisten. Dummerweise speisten die Menschen Ananas, also das Gr├Ą├člichste, was die H├╝ndin je gekostet hatte.

Ich werde die Blicke dieser H├╝ndin nie vergessen. Sie zeigten deutlich den entsetzlichen Zwiespalt, in dem die H├╝ndin sich befand. Sie sah zu mir hinauf und ich zu ihr herunter, und sie w├╝rgte mit Todesverachtung im Blick diese gr├Ą├člich schmeckenden Ananasbrocken herunter. Es war klar, dass sie sich nach all`der Bettelei nicht traute, auch nur ein St├╝ckchen Ananas liegenzulassen.

Nach diesem Tag hat die H├╝ndin nie wieder gebettelt, wenn ich bei Tisch sa├č.

Ich bin ├╝berzeugt, sie traut sich nicht.

 

Ungef├Ąhr vier Katzen & ein tierlieber Ehemann

Ein Abend wie jeder andere auf unserem idyllischen kleinen Gnadenhof ...

22.15 Uhr:

Meine Pferde versorgt, meine H├╝hner mardersicher im Stall eingesperrt, meine Hunde gef├╝ttert ... Feierabend!

22.20 Uhr:

Jetzt eine entspannende Dusche, hei├čes Wasser und das Duschgel mit meinem Lieblingsduft ... Jippie!

22.21 Uhr:

Meine Haare gerade gut einshampooniert, die liebliche Stimme meines weltbesten aller G├Âttergatten dringt durch die Badezimmert├╝r und die seelig wabernden Wolken von Wasserdampf zu mir durch: "Schatz, haben wir eine dunkle Katze, schwarz oder dunkel getigert oder dunkel gefleckt oder so?"

"Ja? Seit ├╝ber 14 Jahren schon? Wieso?

Liebliche Stimme des weltbesten aller G├Âttergatten wird panisch:"Weil dann ist eine von unseren Katzen abgehauen und irrt drau├čen durch den Garten, ich habe sie eben durch`s Fenster gesehen!"

"Geh`bitte erst einmal nachsehen, wie viele Katzen noch im Haus sind, ob wirklich eine fehlt ...?"

Der weltbeste aller G├Âttergatten z├Âgernd:" Wie viele Katzen sollte ich dann finden?"

Mit Augenrollen meinerseits:"Wir haben seit 14 Jahren immer sechs Katzen gehabt, und Deine Beschreibung passt auf f├╝nf davon!"

22.24 Uhr:

Ein sch├╝chternes leises Stimmchen, welches entfernt an den weltbesten aller G├Âttergatten erinnert, ert├Ânt leise hinter der Badezimmert├╝r:"Schatzi? ... und was, wenn ich nur ungef├Ąhr vier Katzen finde?"

22.25 Uhr:

Tropfnass und nur mit einem Handtuch bekleidet stelle ich mit zitternden H├Ąnden hektisch sechs kleine Sch├╝sselchen mit Nassfutter auf die Fliesen im Flur und rufe atemlos ... keine 3 Sekunden sp├Ąter schlappert ( so wie es sein soll ) in jeder der 6 Sch├╝sselchen eifrig eine kleine Katzenzunge den unerwarteten Leckerbissen ... ein beruhigendes Ger├Ąusch ...

22.30 Uhr:

Ich sitze auf der Couch und denke dar├╝ber nach, wie anstrengend es wohl w├Ąre, zu dieser sp├Ąten Stunde noch in den an unseren Hof angrenzenden finsteren Wald zu gehen, um dort beim Licht einer kleinen Taschenlampe per Spaten ein Loch auszuheben, etwa 185 cm lang, mittelpr├Ąchtig breit und sehr tief ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis f├╝r Besserwisser & Rechtsverdreher:

Auch wenn die auf dieser Website geschilderten Erlebnisse mit Tieren noch so real klingen m├Âgen, so entspringen alle erw├Ąhnten Menschen selbstverst├Ąndlich nur meiner Phantasie und beruhen keinesfalls auf realen Personen┬á ;-)