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Ein Blog zum Schmunzeln und Nachdenken

Ab sofort m├Âchte ich den Besuch auf meiner Website f├╝r den interessierten Leser noch lohnender machen - Hiermit er├Âffne ich meinen eigenen Blog "zum Schmunzeln & Nachdenken", denn manchmal erlebe ich auf meinem Hof Geschichten, die einfach zu gut sind, um unerz├Ąhlt zu bleiben ...

 

Eine Katze von wahrem Adel

Als ich noch ein Kind war, habe ich die Katzen von Bekannten meiner Eltern immer heimlich bewundert.

Es waren ausnahmslos wundersch├Âne Rassekassen, Tiere von wahrem Adel.

Ihr Fell f├╝hlte sich dank regelm├Ą├čigem B├╝rsten an wie Samt & Seide und es schimmerte im Sonnenlicht in den prachtvollsten Farben. Diese Katzen stolzierten durch das Haus und durch den Garten wie kleine K├Ânige durch ihr K├Ânigreich. Ihre funkelnden Augen hatten diesen ganz speziellen stolzen Ausdruck, sie wu├čten von der eigenen himmelhohen ├ťberlegenheit ├╝ber alle anderen Kreaturen.

Nur die weichsten Liegepl├Ątze mit der besten Aussicht waren gerade gut genug. Gef├╝ttert wurden diese edlen Kreaturen mit Thunfisch und Gefl├╝gelfleisch, frisch gekocht und sorgsam angereichert mit Vitaminpr├Ąparaten, versteht sich, nicht etwa Billigfutterr aus der Dose oder gar Katzenkeksen. Ihre Besitzer haben ihre verw├Âhnten Zungen Sahne aufschlecken lassen.

Es war sicherlich ein St├╝ck weit angemessen, dass solcher Aufwand um diese Katzen getrieben wurde, immerhin waren sie von wahrem Adel.

Ihre edle Herkunft lie├č sich ├╝ber Generationen zur├╝ckverfolgen dank der ellenlangen Stammb├Ąume. Da war verst├Ąndlich, dass die Besitzer sich benahmen, als seien sie die Sklaven der Launen ihrer Haustiere? Ich bin noch heute ├╝berzeugt davon, dass jede einzelne dieser Katzen mehr gekostet haben wird als mancher Kleinwagen!

Vor kurzem habe ich nun von einer Freundin eine wildgeborene Streunerkatze ├╝bergeben bekommen, welche diese just zuvor am selben Tag per Lebendfalle eingefangen hatte, nachdem die abgemagerte Halbj├Ąhrige offensichtlich hungrig in den M├╝lltonnen eines Parkplatzes nach Fressbarem suchte.

Sei es drum, ich mochte nicht nein sagen, immerhin hatte das kratzb├╝rstige Ding sonst kein Zuhause und auf einem Pferdehof wird sich ja wohl noch ein Pl├Ątzchen f├╝r eine anspruchslose Streunerkatze finden.

├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass es sich nicht um eine Rassekatze mit Stammbaum handelte.

Sie sah auch eher erb├Ąrmlich als stolz aus, wie sie panisch fauchend in der hintersten Ecke der Transportbox kauerte und dabei so mager und struppig war, wie eine halbw├╝chsige wildgeborene Streunerkatze nur irgend sein kann.

Nat├╝rlich war sie total verwurmt und deutlich unterern├Ąhrt, auch von generell eher mickrigem Wuchs verglichen mit anderen halbj├Ąhrigen Katzen - immerhin ist der Winkel hinter den Parkplatzm├╝lltonen nicht der beste Ort f├╝r eine Katze, um zu einer Sch├Ânheit heranzuwachsen?

Scheu war sie obendrein, in meiner Wohnung kaum aus der Transportbox entlassen, raste die Kleine in Todesangst davon und versteckte sich im hintersten Winkel unter einem Schrank.

Ich habe ihr dann auch gleich etwas Wasser in einer Schale und daneben ein Sch├╝sselchen Katzenkekse hingestellt, was die Streunerin sicherlich besser ern├Ąhrte als alles, was sie zuvor in den M├╝lltonnen gefunden hatte, und mir somit angemessen erschien.

Als ich sie entwurmen wollte, was wirklich dringend notwendig erschien, habe ich hin und her ├╝berlegt, wie ich um alles in der Welt dem kleinen Wildfang die ben├Âtigten Tabletten eintrichtern k├Ânnte? Jeden Tag auf`s Neue durch die Wohnung jagen, durch ├ťberwerfen eines Handtuches einfangen, mit roher Gewalt das kleine Schn├Ąuzchen aufhebeln und dem panischen K├Ątzchen eine Tablette in den Rachen stopfen, das wollte ich dem Tier nicht zumuten.

Nat├╝rlich sah ich haupts├Ąchlich davon ab, weil diese wildgeborenen Streuner bekanntermassen kratzen und bei├čen wie die Berserker und ich wollte nicht verletzt werden. Wom├Âglich h├Ątte mir die Katze zus├Ątzlich zum blutigen Kratzer noch eine fiese Eiterung eingebracht, eventuell eine Blutvergiftung, wer wei├č, welche Bazillen ein Tier ├╝bertr├Ągt, was hinter einer M├╝lltonne gelebt hat?

Katzen m├Âgen Sahne, soviel wu├čte ich immerhin, und so habe ich der verwurmten Streunerin ihre t├Ąglichen Antiparasitika in einer ordentlichen Portion Spr├╝hsahne verabreicht.

Damit habe ich die Katze super ausgetrickst und alle Wurmtabletten wurden brav gefressen. Der einzige Nachteil dieser Vorgehensweise war, dass das kleine K├Ątzchen seitdem jeden Tag zur gewohnten Zeit so lange herzerweichend mauzt, bis ich es eine kleine Menge Sahne schlecken lasse?

Ansonsten habe ich nat├╝rlich streng darauf geachtet, die kleine Katze nicht zu sehr zu verw├Âhnen. So eine Katze wird schnell zu einem m├Ąkeligen Fresser, wenn man ihr zu viel durchgehen l├Ąsst, das ist eine wohlbekannte Tatsache!

Dumm nur, dass die Kleine wirklich sehr scheu war.

Die Vorstellung, die n├Ąchsten Jahre im schlimmsten Fall mit eine Katze zusammenwohnen zu m├╝ssen, die panisch vor mir flieht, anstatt sich streicheln zu lassen, behagte mir so gar nicht. Ich erwarte immerhin eine gewisse Gegenleistung f├╝r die t├Ąglich servierten Katzenkekse, ein bisschen Dankbarkeit finde ich da schon angemessen, immerhin hat die Kleine nur dank mir ein Zuhause?

Ich bin dann auf die Idee gekommen, dem K├Ątzchen Thunfisch anzubieten, den ich streng rationiert nur im Gegenzug f├╝r zunehmend zutraulicheres Verhalten serviert habe. Als Alternativen bot ich dann noch zartes Brustfleisch von Ente & Huhn an, dazu etwas R├╝hrei.

Meine L├Âwenb├Ąndigungstechnik war auch tats├Ąchlich von Erfolg gekr├Ânt, denn schon bald fra├č die Kleine zuerst immer n├Ąher neben mir, bald lie├č sie sich sogar streicheln und kletterte auf meinen Schoss, um an die begehrten Leckereien zu kommen.

Leider hat sie mir dann schon bald klar gemacht, dass sie die in den ersten Tagen noch mit Hei├čhunger verschlungenen Katzenkekse eher weniger zumutbar f├Ąnde. Immerhin hatte sie auch als ehemalige Streunerin schnell herausgefunden, dass Thunfisch und Entenbrust besser mundet als schn├Âse Katzenkekse?

Da sie sowieso immernoch eine sehr schlanke Katze war, mochte ich auch nicht mit aller H├Ąrte darauf bestehen, dass sie ein Futter fressen mu├čte, was sie so offensichtlich zutiefst verabscheute. Es erschien mir doch zu grausam, immerhin war die Kleine so arg unterern├Ąhrt gewesen und eigentlich war sie immernoch recht schmal, wenn ich sie nun streichelte, konnte ich alle Knochen f├╝hlen.

Sicherheitshalber habe ich eine Multivitamin-Multimineral-Paste gekauft und mit Freude zugesehen, wie mein K├Ątzchen jeden Tag eine ordentliche Portion davon wegschleckte. Das arme Sch├Ątzchen hatte doch so viel aufzuholen!

Als ich gelesen habe, dass manche Katzen im Alter gelegentlich zu Nierenproblemen neigen k├Ânnen, wollte ich sicherstellen, dass mein Liebling auf jeden Fall genug trinkt. Ich habe seitdem penibel darauf geachtet, jeden Tag frische Katzenmilch anzubieten, denn davon trinkt die Kleine wegen des besseren Geschmackes deutlich mehr als bei Leitungswasser.

Genaugenommen mag das Leckerm├Ąulchen so gut wie gar kein Leitungswasser mehr trinken, seit sie Katzenmilch zu sch├Ątzen gelernt hat.

Jetzt ist ein bisschen Zeit vergangen, inzwischen kann ich mit Stolz sagen, dass mein kleiner Schatz sich wirklich gemausert hat:

Sie hat ein pr├Ąchtige Figur und ist eine elegante Erscheinung geworden.

Ihr Fell f├╝hlt sich an wie Samt und Seide, wenn ich sie streichele nach dem B├╝rsten.

Im Sonnenlicht schimmern ihre cremefarbenen und r├Âtlichen Flecken im sonst schwarzen Fell wundersch├Ân. Ich denke bei diesem Anblick immer, wie aussergew├Âhnlich h├╝bsch meine kleine Sch├Ânheit doch gezeichnet ist.

Wie k├Ânnte ich sie nicht verw├Âhnen - gerade habe ich ihr einen noch weicheren Liegeplatz arangiert, von dem sie einen besseren Ausblick haben soll. Zum Gl├╝ck zeigt mein Liebling mir immer ganz genau, was er m├Âchte und was nicht, damit ich wei├č, welche W├╝nsche ich wann erf├╝llen darf.

Ihre K├Ârperhaltung ist anmutig und stolz, wenn sie ihr Revier in meiner Wohnung abschreitet wie eine kleine bepelzte K├Ânigin ihr K├Ânigreich.

Ihre Augen haben dieses ganz spezielle Funkeln der ├ťberlegenheit ├╝ber jede andere Kreatur und diesen Blick des selbstbewu├čt-├╝berheblichen Stolzes, der mir irgendwie altbekannt vorkommt, als h├Ątte ich es vor Jahrzehnten als Kind schon einmal gesehen... gerade jetzt, wo ich dar├╝ber nachdenke, da wird mir klar:

Meine wunderpr├Ąchtige Katze hat ganz eindeutig wahren Adel - obwohl oder gerade weil sie eine wildgeborene Streunerin von der Parkplatz-M├╝lltonne ist.

Wahrer Adel ist keine Frage des Stammbaumes. Wahrer Adel ist auch keine Frage des Kaufpreises. 

Wahrer Adel ist eine Frage der inneren Einstellung!

 

Lebensfreude

Vor einiger Zeit wurde an einem hei├čen Sommertag ein kleiner blauer Wellensittich bei mir abgegeben, nicht allein, sondern gemeinsam mit mehreren Artgenossen.

Mir fiel bei n├Ąherer Inaugenscheinnahme auf, dass der Kleine im Gegensatz zu seinen gefiederten Freunden ein Gesundheitsproblem hatte.

Er hatte ein bisschen Wasser im unteren Bauchbereich eingelagert. Seine kleinen F├╝├če f├╝hlten sich auf meiner Hand unterschiedlich warm an.

Der bisherige Besitzer erkl├Ąrte, er sei wegen des vermuteten Gesundheitsproblemes bereits bei einem Tierarzt gewesen, dieser habe ein Herzproblem diagnostiziert, mit dem der Vogel zwar soweit schmerzfrei leben k├Ânnte, allerdings sei m├Âglich, dass er ein bisschen kreislauflabiler als gesunde Artgenossen auf das hochsommerlich hei├če Wetter reagieren und im allerschlimmsten Fall sogar durch Herzstillstand versterben k├Ânnte.┬á

Die einzige Behandlungsoption, die er angeboten habe, sei eine Euthanasie gewesen - allerdings habe er selbst nicht wirklich dazu raten wollen, da der kleine Wellensittich ja durchaus noch reichlich Lebensfreude zeige?

Ich beobachtete einen Moment den kleinen Patienten, der munter mit einem Weibchen flirtete und quietschfidel durch die Gegend d├╝ste. Es war ganz offensichtlich, dass dem blauen Zwerg seine Gesundheitsprobleme nicht klar waren und dass er schlicht und ergreifend sein Leben in vollen Z├╝gen genoss.

Wellensittiche sind im allgemeinen viel weniger hypochondrisch veranlagt als Menschen und neigen nicht dazu, ├╝ber unterschiedlich temperierte Vogelf├╝├če ins depressive Gr├╝beln zu verfallen.

Wellensittiche leben im hier und jetzt - der kleine Blaue machte sich folglich keine Gedanken dar├╝ber, ob ihn bei den f├╝r die folgenden Tage angesagtem noch w├Ąrmeren Temperaturen ein j├Ąher Tod durch Herzstillstand ereilen k├Ânnte.

Er strahlte im Gegensatz eine unglaubliche Lebensfreude aus, wie er flirtete und kletterte und flatterte und tschilpte - und ich konnte nur zu gut verstehen, dass der bisherige Besitzer vor dem Gedanken zur├╝ckgeschreckt war, diesem putzmunteren kleinen Gesellen eine t├Âdliche Spritze verabreichen zu lassen, nur um damit einem sp├Ąter m├Âglichen spontanen Herztod zuvorzukommen.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass der Kleine bei mir ins Vogelzimmer einziehen darf und zumindest solange nicht eingeschl├Ąfert wird, wie er sich so sichtlich wohl zu f├╝hlen scheint.

Was soll ich sagen: die w├Ąrmeren Temperaturen des Hochsommers hat er gut ├╝berstanden und lebt immer noch quietschfidel sein Vogelleben.

Genau genommen ist das Jahr inzwischen so weit fortgeschritten, dass die ersten Nachtfr├Âste des herannahenden Winters bereits hinter uns liegen. Auf das k├╝hler werdende Wetter hat der Kleine mit einer leichten Besserung seines Zustandes reagiert: der Umfang der Wassereinlagerungen ist zur├╝ckgegangen und seine winzig kleinen F├╝├če sind bei gem├Ą├čigtem Wetter fast gleichwarm, die Kreislaufsituation hat sich offensichtlich zumindest etwas entspannt.

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass der Blaue vielleicht sogar bis zum n├Ąchsten Sommer stabil bleiben k├Ânnte.

Wenn es dann wieder extreme Hitzewellen mit ├╝ber 40 Grad geben sollte, wenn es in deren Folge wieder zu einer Verschlechterung des Zustandes kommen w├╝rde, dann werden wir weitersehen.

Nat├╝rlich w├╝rden wollen wir den kleinen Kerl nicht qu├Ąlen, und w├╝rden ihn zum Tierarzt fahren, wenn denn ...

Aber vielleicht schafft das kleine K├Ąmpferherz unseres blauen Helden auch noch einen Sommer, wer wei├č?

Es z├Ąhlt f├╝r diesen Wellensittich nur das hier und jetzt.

Am heutigen Tage ist der kleine blaue Wellensittich ein sehr vergn├╝gter kleiner Wellensittich, der putzmunter durch das Vogelzimmer d├╝st und sich seines Lebens freut.

Ich werde einen Teufel tun, diesen kleinen blauen Wellensittich schon heute einfach nur wegen einer Diagnose mit ung├╝nstiger Langfrist-Prognose einschl├Ąfern zu lassen, solange er heute noch so derart putzmunter durch das Zimmer fliegt und nichts weiter im Sinn zu haben scheint, als sich mit seinen Wellifreunden zu am├╝sieren.

Denn um wie vieles ├Ąrmer w├Ąre unsere Welt, wenn ich ihr die gro├če Freude nehmen w├╝rde, die dieser kleine blaue Wellensittich dar├╝ber empfindet, auch den heutigen Tag mit all`seinen Abenteuern noch erleben zu k├Ânnen?

 

Der perfekte Hund

Ich habe vor kurzem dank der Vermittlung eines Tierschutzvereines einen neuen Hund adoptiert, einen anderthalbj├Ąhrigen R├╝den.

Nat├╝rlich habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Im Allgemeinen ist diese Entscheidung f├╝r ein neues Familienmitglied schon keine einfache, aber in unserem Fall besonders schwierig.

Immerhin sollte der Neue in die sehr gro├čen Fu├čstapfen meines kurz zuvor verstorbenen alten R├╝den treten, meines Lieblings.

Gerade das machte die Auswahl eines neuen Hundes so schwierig, denn immerhin ging es um nicht weniger als darum, einen ad├Ąquaten Ersatz zu finden f├╝r einen fabelhaften, was sage ich, den perfekten und ├╝berhaupt weltbesten aller Hunde, den ich verloren hatte.

Der perfekte und ├╝berhaupt weltbeste aller Hunde, das ist mein alter R├╝de ohne jeden Zweifel gewesen.

Er h├Ątte mich mit seinem Leben verteidigt.

Unerreichbar f├╝r jeden potentiellen Neuzugang war die spezielle Art des fabelhaften Alten, meine Gedanken zu erraten und mir jeden Wunsch f├Ârmlich von den Augen abzulesen, um Befehle auszuf├╝hren, bevor ich sie ausgesprochen hatte, nur um mich zu erfreuen, denn das war in unseren gemeinsamen Jahren das Ziel aller seiner Handlungen, wie es mir im Nachhinein scheint ...

Damals, als ich diesen perfekten Hund adoptierte, nun, ich gebe es nicht gern zu, aber er hat sich erschreckt und mich in den Arm gebissen, an unserem allerersten gemeinsamen Tag, als ich ihn gerade Anleinen und aus dem Tierheim abholen wollte.

Kaum im neuen Zuhause angekommen, hat er meine armen Katzen erschreckt. Au├čerdem hat er in die Wohnung gepinkelt, das nicht nur einmal. Auch erw├Ąhnen mu├č ich den jahrelang gepflegten Rasen in meinem Garten, der war nach seinem Einzug leider nie wieder so wie vorher, denn durch unerm├╝dliches Ablaufen der immer gleichen Routen ├╝ber den Rasen entstanden auf selbigem zahllose schlammige Trampelpfade, auf denen nie wieder ein einziger Halm gedeihen wird.

Trotzdem besteht f├╝r mich ├╝berhaupt kein Zweifel daran, dass dieser alte R├╝de der perfekte weltbeste Hund war. Jeder, der ihn erlebt hat, k├Ânnte das best├Ątigen. Er war einfach fabelhaft!

Wobei ich auch viele Komplimente bekomme f├╝r meine ├Ąltere H├╝ndin.

Meine ├Ąltere H├╝ndin gehorcht auf`s Wort und beherrscht wirklich viele verschiedene Tricks und Kunstst├╝ckchen, die ich ihr alle beigebracht habe. Damit bringt sie die meisten Menschen im Bekanntenkreis spontan dazu, sie f├╝r den perfekten Hund zu halten.

Wenn ich ehrlich bin, ist sie auch wirklich ein perfekter Hund, auf ihre Art die weltbeste H├╝ndin, die ich mir w├╝nschen k├Ânnte, ein fabelhafter Begleiter in allen Lebenslagen.

Anfangs als immer hungriger Stra├čenhund kaum bei mir eingezogen hat sie eventuell ein kleines bisschen dazu geneigt, Essen vom Tisch zu stehlen.

Im Zahnwechsel hat sie Stuhlbeine angekaut und an der Holztreppe geknabbert, ein Teil des Gel├Ąnders wurde Opfer ihrer Z├Ąhne, ebenso ein Teppich, denn dessen Fransen abzuzupfen war ihr gr├Â├čtes Vergn├╝gen. In einer ganz schlimmen Phase hat sie sogar den Putz von der Wand gekaut, allerdings nur, wenn sie nachts Langeweile hatte, w├Ąhrend ich schlief.

Man k├Ânnte ihr den Vorwurf machen, dass sie sich nicht von Fremden anfassen lassen mag, aber das ist immerhin nicht ihre Schuld, sondern liegt an der unzureichenden Sozialisation einer Welpenzeit im Ausland auf der Stra├če.

Im Garten hat sie trotz ausreichender Ern├Ąhrung mit hochwertigem Hundefutter bei bereits beginnendem ├ťbergewicht so lange von den B├Ąumen gefallene N├╝sse geknackt und gefressen, bis wir ihr einen durch harte Nussschalen geborstenen Backenzahn ziehen lassen mu├čten. Das war zum Gl├╝ck nicht so schlimm wie die gro├če Bauch-OP, die erforderlich wurde, um zahlreiche im Welpenalter gefressene Steine aus ihrem Magen-Darm-Trakt zu entfernen.

Ungern muss ich bekennen, dass sie sich bis heute bevorzugt in Wildschweinkot w├Ąlzt.

Trotzdem kann es keinen Zweifel geben, dass sie ein perfekter Hund ist. Sie ist die Weltbeste!

Wobei meine j├╝ngere H├╝ndin auch wahrlich fabelhaft ist. F├╝r den von mir ausge├╝bten Zugsport ist sie hervorragend geeignet. Bei unseren Bikej├Âring Wauztouren, beim Canicross oder beim Skij├Âring, sie ist immer ein wunderbarer Leithund. Sie arbeitet unerm├╝dlich, sie folgt jedem Befehl und wei├č immer, was ich von ihr m├Âchte.

Sie ist der perfekte und weltbeste Hund, sie ist fabelhaft.

Wobei ich leider zugeben mu├č, dass sie anfangs manchmal ein ganz kleines bisschen zwangsneurotisch war und leicht melodramatisch dazu neigte, sich gellend schreiend auf den Boden zu werfen, um sich dort liegend bzw. in Krokodils-Todesrolle-windend in eine Art wildgewordene Hysterie hineinzusteigern. Zum Gl├╝ck praktizierte sie dies nur bei wenigen Anl├Ąssen, also zum Beispiel, wenn ich versuchte, sie zu b├╝rsten, oder ein Geschirr anzulegen, sie festzuhalten, ok, da hatte sie anfangs Tobsuchtsanf├Ąlle, die den unvorbereiteten Zuschauer schon mal leicht erschrecken konnten.

Kein anderer Hund hat so oft ins Auto gekotzt wie diese H├╝ndin.

Wegen ihr sind etliche Blument├Âpfe zerbrochen, weil sie bei jedem Ger├Ąusch versucht hat, oben aus dem Fenster zu gucken, und dann in ihrer wuseligen Art alles umwarf. Das alles ist nat├╝rlich nicht ihre Schuld gewesen, sie hatte es nur einfach im Tierheimzwinger noch nicht gelernt, wie man souver├Ąn mit dem Leben in der Aussenwelt umgeht, und litt unter der Reiz├╝berflutung?

Sie w├╝rde alles fressen, was sie im Katzenklo findet, zur Not inklusive der Klumpstreu.

Ausserdem hat sie vielleicht ein bisschen die Wohnungst├╝ren mit den Krallen ihrer Vorderf├╝├če verkratzt, weil ihr jugendlicher ├ťbermut leider anfangs nicht zu meiner eher langsamen Art, T├╝ren zu ├Âffnen, passen wollte.

Es ist wirklich inzwischen deutlich besser geworden, sie ist mit den Jahren auch insgesamt ruhiger geworden und so eine ganz besonders Liebe. Sie ist wirklich fabelhaft, ich bin froh sie zu haben, sie ist der perfekte weltbeste Hund.

Dann habe ich auch noch den kleinen R├╝den, bisher der J├╝ngste im Rudel, den finden wirklich alle Menschen ├╝beraus liebreizend, denn er ist ungew├Âhnlich anschmiegsam und ein ganz besonders fr├Âhlicher Hund.

Er ist ein perfekter Hund.

Ich gebe zu, dass er am Anfang mit Gr├Â├čenwahnsinn im Blick jeden anderen Hund angep├Âbelt hat - eigentlich auch alles andere, was sich irgendwie bewegte oder auch unbewegt in sein Blickfeld geriet.

Er war von Beginn an passionierter M├Ąusebuddler und hat mehrere meiner m├╝hsam gez├╝chteten Rosen dadurch genauso erbarmungslos zerst├Ârt wie die Tomaten im Hochbeet oder unsere Himbeerb├╝sche. Ich habe sogar eine kleine Narbe am Bein, weil er mich dort beim ersten Spaziergang gebissen hat wutentbrannt dar├╝ber, dass ich ihm eine soeben ausgebuddelte Maus nicht g├Ânnen wollte. Einem ehemaligen Stra├čenhund darf man solches Verhalten nat├╝rlich nicht ankreiden. Immerhin hat der arme kleine Kerl vielleicht wom├Âglich eventuell im Ausland nur gerade wegen seiner M├Ąusej├Ągerqualit├Ąten ├╝berlebt und mu├čte jede Beute erbittert gegen die Nahrungskonkurenten verteidigen?

Leider hat er auch die Tapete in mehreren Zimmern besch├Ądigt, weil er lustig fand, sie in langen Streifen von der Wand abzuknibbeln.

Er hatte panische Angst vor dem Treppensteigen, au├čerdem vor den Menschenstimmen in Radio & Fernsehen, die er keinen anwesenden Personen zuordnen konnte.

Au├čerdem hat er L├Âcher in den Maschendrahtzaun gekaut, um aus dem Garten auszubrechen und im angrenzenden Paddock Pferde├Ąppel zu fressen.

Er fri├čt auch gern vom Pampasgras im Garten und kotzt danach bevorzugt auf den edlen Parkettfu├čboden im Kaminzimmer anstatt auf die deutlich unempfindlicheren Fliesen im Wintergarten.┬á

Er hat kurz nach seinem Einzug bei uns die komplette Kunstleder- Innenverkleidung der hinteren T├╝r meines Autos abgefressen, als er das erste Mal ein Viertelst├╝ndchen im geparkten Auto auf mich warten sollte. Ich unterstelle zu seiner Ehrenrettung, dass er wohl sicherlich als traumatisierter Tierschutzhund unter Verlassens├Ąngsten litt und folglich gar nicht anders konnte, als mein Auto zu besch├Ądigen.

Inzwischen wird er langsam erwachsener und meine Erziehungsbem├╝hungen fangen an, Fr├╝chte zu tragen. Zum Beispiel gr├Ąbt er in meinem Garten wirklich nur noch dann nach M├Ąusen, wenn er glaubt, dass ich ihn dabei nicht beobachte.

Ich mu├č sagen, er hat sich am Ende tats├Ąchlich als der fabelhafte und weltbeste Hund entpuppt, den ich mir nur w├╝nschen kann.

Er l├Ąuft am Rad oder begleitet mich zu Fu├č ├╝berall hin. Er ist absolut unkompliziert und sehr verspielt und absolut vertr├Ąglich mit jedem, er ist ein Kuscheltyp und unglaublich flauschig-streichelsympathisch.

Der Kleine ist wirklich der perfekte Hund!

Unter dem Strich habe ich bisher mit meinen Hunden wirklich riesiges Gl├╝ck gehabt, das kann ich mit gro├čem Stolz sagen. Jeder von ihnen ist auf seine Art ein perfekter Hund und wirklich fabelhaft!

Gerade darum ist mir die Entscheidung f├╝r einen neuen Hund wirklich schwer gefallen. Immerhin ist doch die Chance rein statistisch sehr gering, noch einen weiteren Hund zu finden, der ann├Ąhernd so gro├čartig wie seine Wauzkollegen sein k├Ânnte?

Jetzt ist also der neue Jungr├╝de seit ein paar Tagen bei uns eingezogen. Ich hatte wie erw├Ąhnt anfangs meine Bedenken.

Was soll ich sagen:

Er hat diese Woche Fetaw├╝rfel von der K├╝chenzeile geklaut und in der Woche davor mein K├Ąsebrot vom Esstisch.

Er spielt ziemlich wild in der Wohnung, er hat dabei heute einen gro├čen massiven schweren Tisch derart angerempelt, dass eine darauf stehende Blumenvase umgeschmissen und alles geflutet wurde inklusive meiner Lernunterlagen und zweier B├╝cher.

Er hat gestern wieder mal nicht brav abgewartet, bis ich ihn mit dem Handtuch nach der Gassirunde abgerubbelt hatte, sondern ist mit seinen schlammverschmierten F├╝├čen ├╝ber den sauberen Fu├čboden direkt hochgerannt ins Schlafzimmer und hat sich gen├╝sslich in meinem frisch bezogenen Bett gew├Ąlzt, um seinen Matschbauch an meinem Kopfkissen abzutrocknen.

Er hat eine Rechnung angefressen, die ich f├╝r die Steuer ben├Âtige.

Er springt jaulend an meinem Mann hoch, verschmutzt mit seinen Dreckpfoten die guten Sakkos und zwickt ihn in die H├Ąnde, wenn dieser m├╝de aus dem B├╝ro nach Hause kommt - jeden Tag wieder, immerhin will er sicherstellen, als Erster ausgiebig begr├╝├čt zu werden.

Er hat eine komplette Rolle Toilettenpapier abgerollt und in feinste Fetzen zerrissen, um selbige in der kompletten Wohnung zu verteilen.

Er hat meinen Kater zu Tode erschreckt.

Ich finde, er entwickelt sich gro├čartig und ich glaube, er passt wunderbar zu meinem Rudel und in unsere Familie.

Vielleicht braucht er noch ein kleines bisschen Zeit, um etwas erwachsener zu werden und alles das zu lernen, was ein fabelhafter Nachwuchshund eben im Schn├Âselalter erst noch lernen mu├č. So viel Zeit sollte man doch sicherlich jedem neuen Hund zugestehen?

Ich glaube, er wird der weltbeste und perfekte Hund.

 

├ťber die Freiheit, eigene Entscheidungen treffen zu d├╝rfen

In diesem Fr├╝hjahr habe ich wie jedes Jahr die durch Todesf├Ąlle frei gewordenen Stallpl├Ątze an neue Gnadenbrotpferde vergeben und somit mehrere neue Pferde in meine Herde eingliedern m├╝ssen.

Je nachdem, aus welcher Art von Haltungssystem die Pferde zu mir kommen, sind die Besitzer mal mehr, mal weniger besorgt ├╝ber den Ablauf dieser Eingliederungsphase. Da ich immer davon ausgegangen bin, dass die Besitzer ihr Pferd nach langen gemeinsamen Jahren besser kennen als ich, habe ich mich bei der Eingliederung immer danach gerichtet, was die Besitzer vorschlugen.

Dieses Jahr hatte sich die Besitzerin eines bis dato Boxpferdes daf├╝r ausgesprochen, dass ihre Stute erstmal in meiner Krankenbox eingestallt werden sollte, wo allein durch drei kleine Fenster ein Kennenlernen der neuen Herdenmitglieder durch nasonasalen Kontakt m├Âglich war.

Die neue Stute kam, die neue Stute wurde f├╝r die ersten Tage in die Krankenbox einquartiert, dann unter Aufsicht eine Runde allein die Auslaufanlage erkunden, tags drauf mal ein St├╝ndchen zum Antesten zu den alteingesessenen Bewohnern gelassen, mit Argusaugen bewacht, versteht sich ...

Alles lief nach Plan bis zu dem Punkt, wo die Stute am Ende des Kennenlernst├╝ndchens wieder in die Box zur├╝ckkehren sollte. Madamchen lie├č sich zwar brav hineinbugsieren, aber hatte schon so einen Gesichtsausdruck, der mich vermuten lie├č, dass sie lieber bei den neuen Freunden drau├čen geblieben w├Ąre? Ich schloss die T├╝re hinter ihr, drehte mich zum Gehen in der sicheren Gewissheit, das sonst stets hungrige Tier werde gleich begeistert ├╝ber sein Futter herfallen ... Pustekuchen!

Ein unerwartetes Ger├Ąusch aus Richtung Box hinter mir lie├č mich zusammenzucken und zur├╝ckdrehen, und mir stellten sich f├Ârmlich die Nackenhaare auf bei dem Anblick, der sich mir bot:

Die durchaus nicht so klein gewachsene Stute hatte entschieden, dass es drau├čen bei der vor dem Fenster stehenden Herde viel lustiger als in der langweiligen Box sei und daher beschlossen, aus dem nicht so gro├čen Fenster einfach wieder hinauszuspringen. Dummerweise hatte sie zwar vorher korrekt berechnet, dass sie die untere Fensterkante h├Âhenm├Ą├čig locker schaffen w├╝rde, aber leider nicht ber├╝cksichtigt, dass der eigene Plautzenumfang und das Format des Fensters in einem vorsichtig formuliert eher ung├╝nstiegen Verh├Ąltnis zueinander standen. Im Endergebnis steckte die junge Dame fest, Vorderbeine und Kopf baumelten drau├čen, w├Ąhrend der Allerwerteste noch in der Box hing.

Bevor ich jedoch meinerseits Ideen entwickeln konnte, wie um alles in der Welt das feststeckende Pferd zu befreien sei, ruckelte die Stute sich soweit zur├╝ck in die Box, dass die Hinterhufe wieder Bodenkontakt erreichten, stie├č sich kr├Ąftig ab und purzelte mit einer Vorw├Ąrtsrolle in den weichen Sand zwischen die Pferdekollegen, die sie mit einer Selbstverst├Ąndlichkeit in ihrer Runde begr├╝├čten, als habe man eben noch verabredet, dass die junge Stute nach 2 Minuten zur├╝ck sein werde.

Bevor die Gruppe um die Geb├Ąudeecke herum davonmarschierte, warf die Stute mir einen Blick zu, in dem ich unschwer lesen konnte:"Sorry, aber drau├čen ist viel besser als eingesperrt in der Box?!" Offensichtlich hatte die Besitzerin aus Sicht ihres Pferdes eine sehr gute Wahl getroffen, als sie sich f├╝r den Umzug in meinen Aktivoffenstall entschied - wir hatten nur die ben├Âtigte Eingliederungszeit falsch eingesch├Ątzt?

├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass ich die behufte Kunstturnerin wohl kaum ein zweites Mal in diese Box sperren wollte und ihr daher ihren Willen lies - auch wenn sie keinen einzigen Kratzer davongetragen hat, legte ich doch keinen gesteigerten Wert darauf, dass die Stute erneut einen halsbrecherischen Ausbruchsversuch startete. Interessanterweise war die Einsch├Ątzung der Stute ├╝ber die erfolgreich verlaufende Integration in meine Herde durchaus zutreffender als meine weniger optimistische Einsch├Ątzung.

Ich habe f├╝r mich danach das Fazit gezogen, den Tieren in meiner Obhut mehr eigene Entscheidungen zuzutrauen beziehungsweise zu erm├Âglichen.┬á

So bin ich dazu ├╝bergegangen, meinen Pferden durch Anbieten zweier M├Âglichkeiten zum Anstupsen die Frage "entweder oder" zu stellen, welche Decke sie aufgelegt bekommen m├Âchten, oder ob sie lieber Knotenhalfter f├╝r Bodenarbeit oder Trense f├╝r Reiten anziehen m├Âchten etc ...

Meine bisherigen Erfahrungen damit sind durchweg positiv, nicht nur weil das Pferd selbst immernoch am Besten wei├č, ob ihm gerade kalt oder warm ist, sondern auch beim Training sind meine Pferde viel motivierter bei der Sache, wenn sie die Aufgabe vorher selbst ausw├Ąhlen durften. Da ich kein Turnierreiter bin, ist mir am Ende des Tages unwichtig, womit wir unsere gemeinsame Zeit verbracht haben, die Hauptsache ist immer, dass wir Spass zusammen hatten?

Vielleicht genie├čen wir alle gern die Freiheit, eigene Entscheidungen treffen zu d├╝rfen ...

 

Recht auf Teilhabe

Vor einigen Monaten habe ich einen kleinen grauen Nymphensittichhahn namens Rocky von einer sehr engagierten Dame gebracht bekommen. Sie hatte den kleinen Kerl zuvor in bedauernswertem Zustand aus einer indiskutablen Einzelhaltung gerettet, leider erst nachdem ein Raubtier ( Marder? Katze? ) ihn schwer verletzt und ihm den halben rechten Fl├╝gel und den gr├Â├čten Teil seiner Zehen abgebissen hatte.

Die F├Ąhigkeit zu Fliegen, die V├Âgel im allgemeinen doch ausmacht - v├Âllig unm├Âglich f├╝r den armen kleinen Kerl, der zu allem Elend mit seinen verkr├╝ppelten F├╝├čchen nicht einmal normal klettern konnte. Hinzu kam, dass er durch die jahrelange Einzelhaltung beim Erstbesitzer schwere Verhaltensst├Ârungen aufwies, jede noch so keine Ver├Ąnderung l├Âste hysterische Schreianf├Ąlle aus, vor mir hatte er Todesangst, selbst auf nett gemeinte Ann├Ąherungsversuche einer an ihm freundlich interessierten Henne reagierte er mit Bei├čattacken.

Eigentlich war die Gesamtsituation nach seinem Einzug in mein Vogelzimmer eine v├Âllige Katastrophe, denn Rocky sa├č in einer Zimmerecke auf dem Fussboden und schrie Zeter & Mordio. Ich habe h├Ąufiger mal Neuzug├Ąnge im Vogelzimmer, auch immer wieder flugunf├Ąhige Tiere oder Einzelhaltungs-Opfer mit Verhaltensdefiziten, und alle haben sich problemlos eingelebt und binnen k├╝rzester Zeit sichtlich wohl gef├╝hlt. Ich hatte noch nie einen Neuzugang im Vogelzimmer erlebt, der so hartn├Ąckig alles schrecklich fand, was ich versuchte, f├╝r ihn zu tun:

Ich brachte Futter und Wasser, Rocky schrie. Ich fegte & wischte den Fu├čboden, Rocky schrie. Ich h├Ąngte frische ├äste ins Zimmer, ich putzte Fenster, ich brachte Spielsachen, Rocky schrie. Rocky schrie aber auch dann wie am Spie├č, wenn ich gar nicht im Zimmer war, weil dann offensichtlich gerade irgend ein anderer Vogel irgend etwas tat, was Rocky schrecklich fand.

Doch w├Ąhrend ich irgendwann kurz davor war, Rocky einzustufen als "der wird sich niemals ├Ąndern, nichts, was ich irgend tun k├Ânnte, wird jemals reichen, um aus dem gest├Ârten Nervenb├╝ndel Rocky einen zufriedenen Vogel zu machen", blieben die anderen Nymphensittiche einfach hartn├Ąckig dabei, den kleinen Schreihals als v├Âllig normal zu behandeln.

F├╝r mich anfangs v├Âllig unerkl├Ąrlich hat sich sogar eine Nymphiehenne trotz besserer Angebote von wesentlich charmanteren Partnern daf├╝r entschieden, Rockys Frau sein zu wollen und der Nervens├Ąge die Treue zu halten, obwohl das f├╝r sie nichts brachte als tagt├Ąglich Pr├╝gel zu beziehen, denn nat├╝rlich konnte auch sie Rocky nichts Recht machen?

Doch das skurile Paar zog sogar noch weitere Artgenossen an - die dann in friedlicher Eintracht um den grauen W├╝terich versammelt auf dem Fu├čboden sa├čen und denen es omin├Âserweise ├╝berhaupt nichts auszumachen schien, dass Rocky jeden anschrie und alles in Reichweite zu bei├čen versuchte.

Inzwischen wei├č ich, dass Rocky seinen Namen zu Recht von seiner Retterin erhielt, denn er ist zwar k├Ârperlich klein, aber in tiefster Seele ein K├Ąmpfer, der nicht aufgibt bis zum Happy End.

Rocky lebte seit gut einem Vierteljahr bei mir im Vogelzimmer, als ich ihn das erste Mal seine Henne z├Ąrtlich kraulen sah.

Rocky ist inzwischen l├Ąngst nicht mehr der nervige Schreihals auf dem Fu├čboden, er turnt selbstbewu├čt die ├äste hinauf und hinunter, fri├čt gen├╝sslich auch die Gem├╝se- und Obstsorten, deren Anblick ihn anfangs panisch vor Angst schreien lie├čen, und nimmt rege am Sozialleben teil. Denn inzwischen hat er nicht nur gelernt, innerhalb des Schwarmes zahlreiche Freundschaften zu pflegen, sondern sich auch alles andere abgeguckt, wie ein anst├Ąndiger Nymphensittich sich ansonsten zu verhalten hat.

Rocky wird wohl immer ein Vogel mit k├Ârperlichen Handicaps sein - aber er ist inzwischen so zufrieden, wie ein flugunf├Ąhiger Sittich nur sein kann, und das wohl nur deswegen, weil er ein vollwertiges Mitglied des Schwarmes werden durfte und trotz seiner k├Ârperlichen Behinderungen & seines teils skurilen Verhaltens von den anderen Nymphensittichen vom ersten Moment an als einer der ihren akzeptiert wurde.

Vielleicht k├Ânnten wir alle noch eine Menge lernen davon, einen Schwarm Nymphensittiche dabei zu beobachten, wie selbstverst├Ąndlich sie einem behinderten Artgenossen Teilhabe am Schwarmleben erm├Âglichen ...

 

Vom Saulus zum Paulus

Vor einiger Zeit habe ich einen Anruf bekommen von einem Herrn, der gern 4 in die Jahre gekommene H├╝hner auf meinem Gnadenhof abgeben wollte - im Prinzip nichts Ungew├Âhnliches, immerhin besteht unsere bunte kleine H├╝hnerschaar aus lauter auf dem einen oder anderen Wege geretteten H├╝hnchen, aber f├╝r mich war dieser Fall trotzdem etwas besonderes:

Der Besitzer der H├╝hner war gelernter Schlachter und hatte sein Leben lang in diesem Beruf gearbeitet. Als die endg├╝ltige Aufgabe der H├╝hnerhaltung zum Thema wurde, erwarteten folglich die Nachbarn, dass die H├╝hner von ihrem Besitzer geschlachtet und im Rahmen eines geselligen Beisammenseins als Brathendl serviert werden sollten.

Doch der Besitzer war inzwischen von Saulus zum Paulus geworden und hatte f├╝r sich entschieden, dass keine weiteren Tiere durch seine Hand sterben sollten, nie wieder wollte er ein Tier t├Âten, schon gar nicht das eigene Federvieh ... und so brachte er die Hennen zu uns auf den Gnadenhof, damit sie ihr Leben in Frieden leben und vor den Bratr├Âhren und Suppent├Âpfen dieser Welt sicher sein sollten.

Den gefr├Ąssigen Nachbarn jedoch plante er als Ersatz heimlich gekaufte namenlose Tiefk├╝hl-H├Ąhnchen zu servieren, damit es keinen Streit g├Ąbe, immerhin m├╝sse man miteinander auskommen in der Nachbarschaft ...

Ich habe hinterher lange nachgedacht ├╝ber zwei Aspekte dieser Geschichte:

Erstens, wie wunderbar es ist, wenn ein Mensch nach vielen Jahren seine Einstellung und damit sein ganzes Leben ├Ąndert, um zum Tiersch├╝tzer geworden seinen H├╝hnern das Leben zu schenken. Nat├╝rlich rettet er damit nur einige wenige H├╝hner im Vergleich zu vielen anderen, die dieses Gl├╝ck nicht haben - aber f├╝r seine H├╝hner bedeutete diese gute Tat die ganze Welt!

Zweitens, wie viel m├╝sste sich noch ├Ąndern auf dieser Welt, damit es m├Âglich w├Ąre, den Nachbarn beim geselligen Beisammensein statt heimlich gekauftem Tiefk├╝hl-H├Ąhnchen eine Gem├╝sepfanne mit Tofu zu servieren und diese ohne Rechtfertigungsdruck gemeinsam verspeisen zu k├Ânnen?

 

Das Terror-Shetty

Bei meiner Arbeit mit Problempferden erlebe ich immer wieder, dass die Besitzer im telefonischen Vorgespr├Ąch die Ursache der Schwierigkeiten mit einem Pferd ganz anders einsch├Ątzen als ich beim sp├Ąteren Kennenlernen vor Ort.

Gerade k├╝rzlich habe ich ein Telefonat gef├╝hrt, in welchem mir wortreich geschildert wurde, man habe im guten Glauben ein h├╝bsches kleines braunwei├č geschecktes Shetty f├╝r die kleine Tochter gekauft von einem offensichtlich betr├╝gerischen Vorbesitzer.

Das als angeblich in jeder Lebenssituation absolut brav verkaufte Pony habe sich jedoch inzwischen als wahres Terror-Shetty entpuppt. Es sei schlichtweg unm├Âglich, dem Biest die Hufe zu pflegen, da es bei jedem Versuch, einen Huf aufzuheben, sich wahlweise komplett auf den Boden werfe, kerzengerade in die Luft steige oder b├Âsartig in alle Richtungen austrete.

Selbst den inzwischen dringend ├╝berf├Ąlligen Hufschmied habe man sich bisher nicht getraut zu rufen, immerhin sei es hochpeinlich, dass dieses Problem so hartn├Ąckig nicht in den Griff zu kriegen sei angesichts der Tatsache, dass beide Eltern als langj├Ąhrig erfolgreiche Turnierreiter mit stets mehreren hervorragend erzogenen Warmbl├╝tern im eigenen Stall bekannt seien!

Angesichts der Dringlichkeit einer baldm├Âglichst nachzuholenden Hufpflege vereinbarten wir direkt am Folgetag einen Termin, an dem ich vor Ort versuchen sollte, das Terror-Shetty in den Griff zu bekommen.

Als ich auf den Hof fuhr, traute ich meinen Augen kaum, denn auf dem hofeigenen Reitplatz ritt v├Âllig ohne jede Schwierigkeiten die kleine Tochter besagtes geschecktes Shetty gem├╝tlichen Schrittes in die Runde. ├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass die Reiterin weder so wirkte, als ob sie besonders sattelfest sei, noch h├Ątte ich ihr umfassendere F├Ąhigkeiten als Drachenb├Ąndigerin zugetraut, immerhin schien sie gerade erst knapp das Grundschulalter erricht zu haben?

Als sie mich bemerkte, winkte sie mir zu und hielt das Pony an, um anschlie├čend unter Gekicher langsam ├╝ber den Po des tiefenentspannt ruhig stehenden Ponys hinabzurutschen. Nach einer von Herzen kommenden innigen Umarmung des Ponyhalses als Dank f├╝r seinen treuen Dienst als Reittier fasste sie das Z├╝gelende und hopste vom Reitplatz ├╝ber den Hof zum Putzplatz im Stallgeb├Ąude, wobei das sehr zufrieden wirkende Shetty am durchh├Ąngenden Z├╝gel eifrig hinterhertrippelte und sich am Zielort angekommen brav anbinden lie├č.┬á

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits felsenfest davon ├╝berzeugt, dass dieses kleine moppelige braunwei├č gescheckte Shetty nicht nur ├╝ber ein Herz aus Gold, sondern auch ├╝ber eine mit Auszeichnung absolvierte Ausbildung als professioneller Babysitter f├╝r kleinw├╝chsige Reitanf├Ąnger verf├╝gen m├╝├čte.

Was mir dagegen gro├če R├Ątsel aufgab war die Frage, wieso jemand ein Problem mit diesem ├╝beraus liebensw├╝rdigen Pony haben k├Ânnte, immerhin hatte es sich mir nur von seiner allerbesten Seite gezeigt?

Dann erschien der Vater des M├Ądchens - etwa anderthalb K├Âpfe gr├Â├čer als ich, Schultern breit wie ein Bobybuilder und H├Ąnde riesig wie B├Ąrenpranken - und sein Auftritt erkl├Ąrte nun wirklich restlos alles.

Unter wortreichen Erkl├Ąrungen wurde zuerst das gro├če Schiebetor am Stalleingang verschlossen, um der Bestie die Fluchtm├Âglichkeiten zu nehmen. Danach wurde zwecks besserer Beherschung der Kreatur die L├Ąnge des Anbindestrickes auf etwa die H├Ąlfte gek├╝rzt, wobei Shetty und Vater sich bereits mi├čtrauisch be├Ąugten. Man kannte sich, soviel war klar!

Nach kurzem Taxieren des Gegners schoss der Vater herab wie ein angreifender Raubvogel und packte mit festem Griff beider B├Ąrenpranken den linken Vorderhuf des panisch ausweichenden Ponys, um ihn sogleich emporzuzerren und auf seinem Oberschenkel zu fixieren.

Das Shetty stieg im selben Moment kerzengerade in die Luft und warf sich dann unter heftigem Strampeln mit allen 4 Beinen auf die rechte Pobacke. Das war ungef├Ąhr der Zeitpunkt, wo der Vater den Huf loslassen mu├čte und eine Ausweichbewegung initiierte, die jedoch durch das geschlossene Schiebetor behindert wurde. Zu sp├Ąt, das Shetty war bereits aufgesprungen, warf sich herum und trat energisch mit beiden Hinterbeinen gegen den Vater aus - Volltreffer!

Mein Eingreifen beendete abrupt den 2.Akt des Dramas, der soeben vom Vater durch den Griff zu einer langen Dressurgerte eingel├Ąutet wurde.

Ich bat den Vater mit ruhiger Stimme, ob er mir bitte seinen Warmbl├╝ter in der Box vorn rechts zeigen k├Ânnte.

Nicht ohne Stolz wurde mir der hochgewachsene Dunkelfuchs pr├Ąsentiert, und nat├╝rlich konnte der Vater gar nicht anders, als mir zu demonstrieren, wie fabelhaft erzogen sein eigenes Reitpferd die Hufe gab. Tats├Ąchlich brauchte es noch nicht einmal ein Stallhalfter, souver├Ąn lie├č der Fuchs seinen Huf von seinem Besitzer auf dessen Oberschenkel hochziehen.

Dann habe ich gefragt, ob dem Vater vielleicht au├čer der Fellfarbe noch ein weiterer Unterschied auffiele zwischen dem Schecken und dem Fuchs?

Nach etwas Hilfe meinerseits durch Andeuten der verschiedenen Widerristh├Âhen durch Handbewegung fiel dem Vater sehr schnell auf, dass das Shetty mit 90cm deutlich kleiner sei als sein Warmbl├╝ter mit 185cm Stockmass.

"Richtig erkannt - was folgt daraus?" war meine Antwort mit gen Himmel verdrehten Augen.

Es war ihm wenig sp├Ąter dann selbst peinlich zugeben zu m├╝ssen, dass weder er noch seine Frau je auf den Gedanken gekommen waren, dass ein winziges Shetty selbst bei bestem Willen k├Ârperlich schlicht nicht in der Lage sein k├Ânnte, seinen Huf genau so hoch zu heben wie ein mehr als doppelt so gro├čes Warmblut ...

Denn nat├╝rlich war es m├╝helos m├Âglich, dem sichtlich erleichterten Shetty die Hufe zu Pflegezwecken aufzuheben, wenn man dabei eine seiner Ponygr├Â├če angepasste H├Âhe w├Ąhlte, anstatt den Huf hochzuzerren auf Oberschenkelh├Âhe seines h├╝hnenhaften Herrn, was immerhin fast der R├╝ckenh├Âhe des ├╝berforderten Ponys entsprochen hatte!

Ich habe danach noch lange dar├╝ber nachgedacht, dass wir alle viel ├Âfter unsere Anspruchshaltungen ├╝berdenken sollten, anstatt sofort zur Gerte zu greifen, wenn Pferde angesichts zu hoher Anforderungen in eigentlich allzu gut nachvollziehbare Streikhaltung verfallen - ist nicht im Gegenteil viel mehr immer wieder erstaunlich, wie oft sich unsere Pferde aus Gro├čherzigkeit & Liebe uns gegen├╝ber allergr├Â├čte M├╝he geben, die an sie gestellten Aufgaben trotz ├ťberforderung noch bestm├Âglich erf├╝llen zu wollen?

 

 

 

 

Hinweis f├╝r Besserwisser & Rechtsverdreher:

Auch wenn die auf dieser Website geschilderten Erlebnisse mit Tieren noch so real klingen m├Âgen, so entspringen alle erw├Ąhnten Menschen selbstverst├Ąndlich nur meiner Phantasie und beruhen keinesfalls auf realen Personen┬á ;-)